Durch Nord Stream 1 fließt jetzt wieder Gas aus Russland. Nach dem Ende der Wartungsarbeiten ist in der deutsch-russischen Pipeline wieder Erdgas unterwegs nach Deutschland. "Es läuft an", sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Nord Stream AG am Donnerstagmorgen (21.07.) der Nachrichtenagentur AFP, ohne genauere Angaben zur Liefermenge zu machen.

Läuft wirklich wieder Erdgas aus Russland durch Nord Stream 1 nach Deutschland?

Laut vorläufigen Daten des Netzbetreibers Gascade sind für heute (21.7.) ab 6 Uhr Gaslieferungen vorgemerkt. Gascade betreibt die beiden Empfangspunkte von Nord Stream 1 im vorpommerschen Lubmin. Diese Vormerkungen - sogenannte Nominierungen - seien Voraussetzung, damit nennenswerte Mengen transportiert werden können, hatte eine Gascade-Sprecherin zuvor erklärt. Die Anmeldungen können sich demnach allerdings noch bis kurz vor der tatsächlichen Lieferung ändern.
Schon in der Nacht zum Mittwoch hatte Kremlchef Wladimir Putin Lieferungen auch nach der Wartung angedeutet. „Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen, hat sie stets erfüllt und ist gewillt, weiterhin alle seine Verpflichtungen zu erfüllen“, zitiert die russische Agentur Interfax Putin. Auch die Nord Stream AG hat bisher keine Verzögerungen oder mögliche Einschränkungen der Kapazität an den Markt gemeldet, wozu sie nach eigenen Angaben verpflichtet wäre. Die Bundesregierung forderte eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen in vollem Umfang.

Wie viel Gas bekommt Deutschland jetzt über Nord Stream 1 aus Russland?

Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist für den Tag nach dem planmäßigen Ende der Wartung etwas mehr Gas als vor den Wartungsarbeiten angekündigt. In einem Tweet vom Mittwoch nannte der Chef der Bonner Behörde, Klaus Müller, 800 Gigawattstunden für den Donnerstag. An den Tagen vor der Wartung lag der Wert laut Website von Nord Stream 1 in etwa bei 700 Gigawattstunden. Damit würde weiterhin weniger als die Hälfte der maximal möglichen Menge geliefert. Auch Müller wies darauf hin, dass sich die Angaben noch ändern könnten. Zuletzt wurde die Pipeline zu etwa 40 Prozent ausgelastet. Gazprom hatte die Lieferungen gedrosselt und dies mit einer fehlenden Turbine begründet, die zur Reparatur nach Kanada geschickt worden war.

Notfallplan für Gasnotstand - das ist der Plan der EU

Im Fall eines Gasnotstands sollen EU-Staaten nach dem Willen der Europäischen Kommission zum Gassparen gezwungen werden können. Konkret schlug die Brüsseler Behörde am Mittwoch vor, dass verbindliche Reduktionsziele möglich sein sollen, wenn nicht genug gespart wird. Freiwillig sollen die EU-Länder alles dafür tun, ihren Verbrauch in den kommenden Monaten um 15 Prozent im Vergleich zum Schnitt der vorangegangenen fünf Jahre zu verringern. Die EU-Staaten müssen dem Vorhaben noch zustimmen.

Berlin

Nord Stream 1: Russland warnte vor weiteren Senkungen der Gasmenge

Putin warnte in der Nacht zum Mittwoch vor einem weiteren Absenken der Liefermenge. Sollte Russland die in Kanada reparierte Turbine nicht zurückerhalten, drohe Ende Juli die Durchflusskapazität nochmals deutlich zu fallen. „Dann gibt es nur 30 Millionen Kubikmeter am Tag.“ Die Pipeline kann pro Tag theoretisch mehr als 167 Millionen Kubikmeter transportieren. Die Turbine wurde wegen der westlichen Sanktionen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine lange zurückgehalten. Zuletzt hatte Kanada entschieden, die Turbine an Deutschland zu übergeben.

Was ist mit Nord Stream 2 nach dem Stopp der Inbetriebnahme?

Der Kremlchef brachte erneut die weitgehend parallel verlaufende, fertiggestellte, aber nicht betriebene Pipeline Nord Stream 2 ins Spiel. „Wir haben noch eine fertige Trasse - das ist Nord Stream 2. Die können wir in Betrieb nehmen“, zitiert ihn die staatliche russischen Nachrichtenagentur Tass. Er hatte schon in der Vergangenheit erklärt, der Betrieb von Nord Stream 2 könnte die Gaspreise senken. Nach der russischen Invasion in die Ukraine setzte Deutschland das Genehmigungsverfahren für den Betrieb der Leitung aus.

Energiekrise: Wie teuer wird das Gas für Deutschland?

Aktuell fließt wieder Gas durch Nord Stream 1. Der Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, die vom russischen Gaskonzern Gazprom angekündigte Gasmenge liege bei 30 Prozent der möglichen Auslastung.
Zuvor war befürchtet worden, Moskau könne nach der zehntägigen Wartung den Gashahn komplett zulassen und so die Energiekrise weiter verschärfen. Nach Russlands Angriff auf die Ukraine hatte der Westen Sanktionen gegen Russland verhängt. Russland hatte wiederum Gaslieferungen in europäische Länder ganz oder teilweise eingestellt.

Liefermenge durch Nord Stream 1 beeinflusst Gaspreis - Russland warnte vor Drosselung

Die angemeldete Menge der Gaslieferung durch Nord Stream 1 aus Russland sei für die ersten zwei Stunden verbindlich, Veränderungen während des Tages wären "sehr ungewöhnlich", fuhr Müller fort. Nach Deutschland war seit dem Beginn der Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 am 11. Juli kaum noch russisches Gas geflossen.
Die Liefermenge in den kommenden Monaten dürfte große Auswirkungen etwa auf die deutsche Wirtschaft, aber auch Privatkunden haben, da sie sich wahrscheinlich auf Gaspreise niederschlägt. Sie dürfte auch ausschlaggebend dafür sein, wie weit Deutschland seine Gasspeicher noch vor der kalten Jahreszeit auffüllen kann und ob es zu einer Mangellage kommt. Kremlchef Wladimir Putin hatte in der Nacht zu Mittwoch vor einer Drosselung Ende Juli gewarnt und technische Gründe angeführt. Die Bundesregierung hält diese für vorgeschoben.