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Neue Wortgefechte im Nordkorea-Konflikt

US-Präsident Donald Trump (r.) – neben Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster – rüstete in Richtung Nordkorea erneut verbal auf.
US-Präsident Donald Trump (r.) – neben Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster – rüstete in Richtung Nordkorea erneut verbal auf. FOTO: dpa
Washington. Hochtrabende Worte, harte Formulierungen: Im Nordkorea-Konflikt wollen die USA und die kommunistische Führung in Pjöngjang Stärke beweisen. Hinter den Kulissen ist die Zeit der Diplomaten gekommen. Michael Donhauser / dpa/uf

Nach dem Krieg der Worte ist im Atomkonflikt zwischen Nordkorea und den USA die Zeit der Diplomatie angebrochen. "Die US-Bemühungen sind von der Diplomatie getrieben. Sie zeitigen diplomatische Ergebnisse", sagte Verteidigungsminister James Mattis am späten Donnerstagabend (Ortszeit). Die Möglichkeit eines Krieges mit Nordkorea bezeichnete der frühere General als "katastrophal".

Den eher besonnen gewählten Worten von Mattis steht in den USA die Rhetorik von Präsident Donald Trump gegenüber. Am Freitag erklärte Trump auf Twitter: "Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig, wir stehen Gewehr bei Fuß, sollte Nordkorea unklug handeln. Hoffentlich findet Kim Jong Un einen anderen Weg." Tags zuvor hatte er erklärt, das US-Atomwaffenarsenal sei in einem guten Zustand. "Es ist in Tip-Top-Verfassung", sagte Trump. "Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen."

Trump kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken würden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump. Er räumte jedoch ein, grundsätzlich auch zu Verhandlungen bereit zu sein. Die Börsen in aller Welt reagierten auf die Kriegsgefahr mit einem Abwärtstrend. Im Nordkorea-Konflikt schaukelt sich die Rhetorik auf beiden Seiten seit Tagen hoch. Nordkorea droht mit einem Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik, allerdings halten Nordkorea-Experten eine Ausführung für unwahrscheinlich. Trump hatte angekündigt, militärische Provokationen aus Pjöngjang mit "Feuer und Wut" beantworten zu wollen.

Nordkoreas Führung hatte am Donnerstag demonstrativ unbeeindruckt und mit Spott auf die jüngsten Drohungen Trumps reagiert. "Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen", hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme der Streitkräfte. Am Freitag (Ortszeit) hieß es dann aus Pjöngjang, die USA müssten mit einer "schandvollen Niederlage" rechnen, sollten sie weiter auf "extreme militärische Abenteuer" sowie Sanktionen und Druck bestehen. Politiker aus aller Welt rufen deshalb zur Mäßigung auf. "Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin. Zudem rief sie dazu auf, die Bemühungen um eine friedliche Lösung zu verstärken.

US-Verteidigungsminister Mattis erklärte, die USA verfolgten gegenwärtig eine politische Linie beim Versuch, den Konflikt zu lösen. Die Einigkeit im UN-Sicherheitsrat, wo auch Russland und China einer Verschärfung von Sanktionen gegen Nordkorea zugestimmt hatten, zeige aber, wie ernst die Lage sei. "Man sieht die einhellige Meinung, dass dies eine Bedrohung für die Welt ist."

Wie kleinteilig die Bemühungen auf diplomatischer Ebene sind, zeigte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Ihr Haus mache derzeit Druck auf Staaten, die Gastarbeiter aus Nordkorea aufnehmen. Dies solle eingestellt werden, damit die Arbeiter das im Ausland verdiente Geld nicht zurückschicken könnten, wo es für militärische Zwecke der Regierung abgezweigt werde.

Wie Trump betont auch Mattis, dass das US-Militär bereit sei, um einem bewaffneten Konflikt zu begegnen. Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die USA keinesfalls in einen Krieg gezogen werden wollen.

Selbst wenn Nordkorea sich wie angedroht dazu entschließen würde, eine Rakete in die Gewässer vor der US-Pazifikinsel Guam abzufeuern, wird keine militärische Reaktion der USA erwartet. Auch vor einem Abschuss eines nordkoreanischen Flugkörpers könnten die US-Streitkräfte zurückschrecken, um die technisch heikle Raketenabwehr nicht einem möglichen Versagen auszusetzen.

Der Konflikt spitzt sich seit Monaten zu. Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrats und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Zum Thema:
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat in der Nordkorea-Krise eine diplomatische Lösung nach dem Vorbild des Atomdeals mit dem Iran ins Gespräch gebracht. "Vielleicht kann man mit einer vergleichbaren Vorgehensweise die nukleare Rüstungsbegrenzung in Nordkorea erreichen", sagte der Parteichef der Sozialdemokraten in Berlin. "Ich glaube, es ist die Stunde der Diplomatie, um zu vermeiden, dass es zu weiterer militärischer Eskalation kommt." Alle Vorschläge dazu von Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats müssten geprüft werden, sagte Schulz. Das Atomabkommen mit dem Iran wurde über Jahre ausgehandelt. Es soll sicherstellen, dass der Iran nicht in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Als Gegenleistung werden die internationalen Wirtschaftssanktionen gegen das Land abgebaut. Wegen der zunehmenden Spannungen im Nordkorea-Konflikt hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow Pjöngjang und Washington zu einem Einlenken aufgerufen. "Falls es zu einer Schlacht kommt, sollte derjenige, der stärker und schlauer ist, den ersten Schritt weg von der gefährlichen Linie machen", sagte er der Agentur Interfax zufolge. "Die Rhetorik in Washington und Pjöngjang beginnt leider auszuufern", sagte Lawrow. (dpa/uf)