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| 18:23 Uhr

Politik
Musik beim Radfahren: Streit um Kopfhörer-Verbot entbrannt

Kopfhörer und Smartphone können Radfahrer im Straßenverkehr schnell vom Wesentlichen ablenken. Möglicherweise wird die Politik bald beschließen, dass die Ohren beim Radeln frei bleiben müssen.
Kopfhörer und Smartphone können Radfahrer im Straßenverkehr schnell vom Wesentlichen ablenken. Möglicherweise wird die Politik bald beschließen, dass die Ohren beim Radeln frei bleiben müssen. FOTO: dpa / Andrea Warnecke
Berlin. Ganz egal, ob der City-Verkehr tobt. Vor allem in Städten sieht man sie ständig: Radler, die sich mit Kopfhörern auf den Ohren von lauter Musik beschallen lassen. Das könnte bald vorbei sein. Die Politik will strengere Regeln durchsetzen. Von Hagen Strauss

Kaum ein Radfahrer scheint noch ohne Kopfhörer unterwegs zu sein. Doch wer wegen lauter Musik im Ohr nicht mehr mitbekommt, was um ihn herum im Straßenverkehr geschieht, gefährdet sich und andere. Die Politik bringt jetzt ein Kopfhörerverbot auf dem Rad ins Spiel – Ohren frei.

Hintergrund sind die konstant hohen Zahlen der Fahrradunfälle in Deutschland. Unlängst veröffentlichte der ADAC eine Studie, wonach allein jeder zehnte Jugendliche mit Kopfhörern und Handy radelt. Tendenz steigend.

Im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden rund 80 000 Radfahrer bei Unfällen verletzt, 382 kamen ums Leben. Während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt zwischen 2010 und 2017 um 13 Prozent gesunken ist, blieb die Zahl der tödlich verunglückten Radler nahezu konstant. Sind die Knöpfe im Ohr mit Schuld daran? Darüber ist in Berlin nun eine Debatte entbrannt. 

„Lautes Musikhören mit Kopfhörern auf dem Fahrrad führt zu verminderter Wahrnehmungsfähigkeit des Straßenverkehrs“, glaubt der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic. Die aktuelle Bußgeldregelung in Höhe von zehn Euro für das Nichthören von Martinshörnern „dient wohl kaum als Abschreckung“. So gehe man etwa in Frankreich viel strenger vor. Wer dort mit Kopfhörern im Straßenverkehr erwischt werde, müsse mit einer Strafe zwischen 135 und 375 Euro rechnen.

„Eine explizite Regulierung in der Straßenverkehrsordnung sollte auch hierzulande kein Tabu mehr sein. Das Problem ist allgegenwärtig und wird sich sonst eher weiter verstärken“, so Luksic.

Hierzulande ist das Tragen von Kopfhörern auf dem Fahrrad oder im Auto bisher nicht grundsätzlich verboten. Sondern erst dann, wenn der Fahrer dadurch die Umgebungsgeräusche nicht mehr hören kann. Einer gesetzlichen Neuregelung skeptisch gegenüber steht die Union. Die Einführung eines pauschalen Kopfhörerverbotes sei nicht notwendig, so CDU-Experte Gero Storjohann. Stattdessen müsse weiter durch gezielte Aufklärungskampagnen die Regelakzeptanz verbessert werden.

Der radpolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, verweist noch auf etwas anderes: „Ich möchte anmerken, dass die über 300 000 Gehörlosen in Deutschland Fahrradfahren dürfen, und das auch richtig so ist.“ Außerdem gebe es eine niederländische Studie, wonach Musikhören im normalen Maß nicht oder kaum zu einer Beeinträchtigung führe. Nichtsdestotrotz ist die Debatte über ein Verbot nun doch entbrannt.

Der ADAC warnt davor, Kopfhörer auf dem Fahrrad oder im Auto zu tragen. Eine angemessene Reaktion im Verkehr werde dadurch verhindert, so der Club. Gerade weil Radfahrer im Gegensatz zu Autofahrern ungeschützt sind, seien vorausschauendes Fahren und volle Konzentration besonders wichtig. Und das möglichst ohne laute Musik auf den Ohren.