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| 07:50 Uhr

Gott und die Welt
Mündig sein in der digitalen Welt

Wie lebensfroh es sein kann, einfach mal das Nutzlose zu lieben.

Natürlich ist unsere Sorge groß, wenn wir lesen, dass digitale Geräte uns keine Zeitersparnis bringen, sondern uns in noch größere Not bugsieren. Und natürlich ist der Ärger dementsprechend, wenn wir erfahren, dass unsere Daten im Netz zur Handelsware geworden sind.

Die unguten Gefühle sind ein Zeichen von Hilflosigkeit. Denn wirklich überraschen dürften uns diese Entdeckungen nicht. Weil eben beides in der digitalen Welt üblich und alltäglich ist: Es gehört zum Wesen des Digitalen. So freuen wir uns über alles, was durch die Digitalisierung schneller wird.Eigentlich wäre das eine Zeitersparnis. Doch verleitet die Digitalisierung eben auch dazu, den "Zeitgewinn" (was für ein absurdes Wort!) gleich wieder für andere Dinge nutzbar zu machen.

Die meisten Formen des Digitalen sind auf Nutzen ausgelegt und auf ein Ziel hin ausgerichtet. Das kann man schon dem Wortursprung entnehmen: Das lateinische "digitus" heißt nämlich Zeigefinger - ein mahnender und richtungsweisender. Wenn die Optimierung die digitale Kultur ausmacht, so ist es auch logisch, wenn alle verfügbaren Informationen ausgewertet, berechnet und angewendet werden.

Wer seine Daten dem Netz anvertraut und zugleich fordert, weiterhin Herr über diese bleiben zu dürfen, ist zwar moralisch auf der richtigen Seite, doch befindet er sich auf dem falschen Spielfeld. So notwendig der Datenschutz auch ist, so konträr steht er zum Prinzip des digitalen Utilitarismus. Was bleibt? Sich tapfer verweigern?

Was für ein wohlfeiler Vorschlag! Niemand kann sich der digitalen Welt komplett entziehen. Unsere Mündigkeit sollte darin bestehen, Alternativen zu bewahren. Indem wir manchmal auch das Nutzlose lieben, das Unproduktive schätzen und Zeit unberechnet lassen. Was für ein schöner, lebensfroher Luxus.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

(RP)