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| 02:40 Uhr

Moskau will Kurswechsel der Nato

Spricht von Entfremdung: der russische Außenminister Sergej Lawrow.
Spricht von Entfremdung: der russische Außenminister Sergej Lawrow. FOTO: dpa
Brüssel/Moskau. Das Verhältnis zwischen der Nato und Russland ist auf seinem tiefsten Punkt seit dem Kalten Krieg. Die Rüstungsbeschlüsse des Nato-Gipfels haben die Lage noch verschlimmert. Kann der Nato-Russland-Rat Entspannung bringen? dpa/sm

Im festgefahrenen Konflikt zwischen Russland und der Nato hat Moskau das westliche Bündnis zu einem Kurswechsel in Europa aufgerufen. "Ich habe den Eindruck, dass sie (die Nato) ihr Spiel spielt und das Wichtigste nicht versteht: dass eine echte Entfremdung auf dem europäischen Kontinent stattfindet", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch.

Nach dem von Moskau scharf kritisierten Nato-Gipfel vom Wochenende trat in Brüssel der Nato-Russland-Rat zum zweiten Mal seit Aufflammen des Ukraine-Konfliktes 2014 zusammen. Der Rat ist das wichtigste Forum für Dialog zwischen Moskau und der westlichen Allianz. Konkrete Ergebnisse wurden von dem Treffen auf Botschafterebene aber nicht erwartet.

Unter anderem sollte es um Sicherheit im Luftraum sowie Risikoreduzierung bei Militärmanövern gehen. Russland erwartete eine Erklärung der Beschlüsse des Nato-Gipfels. Das Bündnis hatte eine Verlegung von mehreren Tausend Soldaten in osteuropäische Bündnisstaaten beschlossen.

Eine Reihe von Nato-Mitgliedern fühlt sich nach der völkerrechtswidrigen Annektierung der ukrainischen Halbinsel Krim und der Unterstützung Moskaus für prorussische Separatisten in der Ostukraine durch Russland bedroht.

Kremlchef Wladimir Putin sprach sich in einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel für vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Russland und der Nato aus. An dem Gespräch nahm auch der französische Präsident François Hollande teil. Als Chance auf eine Deeskalation wertete der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, im SWR die Gespräche in Brüssel. Der Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sah in dem Treffen angesichts der langen Gesprächspause wegen der Ukraine-Krise die Korrektur eines Fehlers. "Wenn man ein Krisenbewältigungsinstrument haben will, das muss doch in der Krise tagen und nicht aufhören, den Dialog zu pflegen", sagte er im rbb-inforadio.

Der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen sagte, dies sei eine Gelegenheit, Russland die Entscheidungen des Nato-Gipfels zu erklären. "Die Nato-Beschlüsse sind eher eine Botschaft an die eigenen Verbündeten als eine Botschaft an Russland", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Nato-Länder an der Ostgrenze sollten wissen, dass sie Teil einer Verteidigungsgemeinschaft seien.

Russland bewertet die Truppenverlegungen jedoch als Gefahr für seine Sicherheit.