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| 09:08 Uhr

Jerusalem
Mit brennenden Reifen gegen israelische Scharfschützen

Jerusalem. Brennende Autoreifen und Steinschleudern auf der einen Seite, Tränengas und Scharfschützen auf der anderen. Der ungleiche Kampf von palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften im Grenzgebiet zum Gazastreifen ging gestern in die zweite Runde. Zwei Tote und einige Dutzend Verletzte meldete das palästinensische Gesundheitsamt bis zum Nachmittag. Die Zahl der Demonstranten blieb insgesamt mit rund 15.000 weit hinter den Erwartungen zurück. Viele Menschen suchten in den Rauchwolken der brennenden Reifen Schutz vor den tödlichen Gewehrkugeln ihres Gegners. Die gut doppelt so großen Kundgebungen eine Woche zuvor hatten 22 Menschenleben gefordert. Auf israelischer Seite stellten Feuerwehrleute riesige Ventilatoren gegen den Qualm auf. Susanne Knaul

Brennende Autoreifen und Steinschleudern auf der einen Seite, Tränengas und Scharfschützen auf der anderen. Der ungleiche Kampf von palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften im Grenzgebiet zum Gazastreifen ging gestern in die zweite Runde. Mindestens vier tote Palästinenser und 200 Verletzte meldeten Vertreter der Gesundheitsbehörden in dem Palästinensergebiet mit. Die Zahl der Demonstranten blieb mit rund 15.000 weit hinter den Erwartungen zurück. Viele Menschen suchten in den Rauchwolken der brennenden Reifen Schutz vor den tödlichen Gewehrkugeln ihres Gegners. Die gut doppelt so großen Kundgebungen eine Woche zuvor hatten 22 Menschenleben gefordert. Auf israelischer Seite stellten Feuerwehrleute riesige Ventilatoren gegen den Qualm auf.

Der auf sechs Wochen angelegte Protest, mit dem die Menschen im Gazastreifen auf ihre wachsende Not aufmerksam machen wollen, war von der radikal-islamischen Führung der Hamas als friedliche Aktion geplant. Dass es dennoch zahlreiche Tote und mehrere hundert Verletzte gab, liegt an der Hamas, die ihre Landsleute nicht daran hindert, dem Grenzzaun zu nahe zu kommen, und an der Gnadenlosigkeit, mit der die israelischen Scharfschützen jeden Palästinenser aufhalten, der sich zu dicht an die Grenzanlagen heranwagt."Entschuldigung, aber ich werde nicht schießen", so heißt es auf Plakaten und Zeitungsinseraten der israelischen Nichtregierungsorganisation Betselem, die an die Soldaten appelliert, den "ungerechtfertigten Befehl" zu verweigern. Ungeachtet der Kritik hält Israel an dem Einsatz der Scharfschützen unterstützt von mit Tränengas bestückten Drohnen, den Wasserwerfern und Gummigeschossen fest. Palästinenser im südlichen Gazastreifen berichteten über Zettel mit Warnungen auf Arabisch, die offenbar von Drohnen am Morgen abgeworfen worden waren. "Wer sich dem Zaun nähert, riskiert, erschossen zu werden", unterstrich Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Israels Sorge ist, dass Menschenmengen die Anlagen einreißen und es Terroristen ermöglichen könnten, nach Israel zu kommen. Allein in den vergangenen Wochen meldete der Sicherheitsapparat vier Grenzübertretungen. In drei Fällen konnten die zum Teil mit Messern und Handgranaten bewaffneten Palästinenser verhaftet werden. "Israels vorsätzliches Töten unbewaffneter palästinensischer Demonstranten in Gaza darf nicht ungeprüft oder unbestraft bleiben", forderte die Fatah-Funktionärin Hannan Aschrawi. Die Bundesregierung signalisierte Israel gegenüber Klärungsbedarf wegen der hohen Zahl getöteter und verletzter Palästinenser. Eine unabhängige Untersuchungskommission lehnt die israelische Regierung jedoch ab. "Die UN täte besser daran, den Tod einer halben Million Menschen in Syrien zu untersuchen", kommentierte Lieberman. Allerdings will die Armee eine "interne Untersuchung" vornehmen.

Der "Große Marsch der Rückkehr" soll an das Schicksal der vor 70 Jahren aus Israel Geflüchteten erinnern, die nun das Recht auf Rückkehr fordern. Die Protestaktion mit fünf Zeltstädten soll bis zum 15. Mai andauern.