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| 18:58 Uhr

Bundesweite Debatte nach Prüfungen
Protestwelle zu Mathe-Abitur-Prüfung rollt an Brandenburg vorbei

 Schülerbeschwerden wegen zu schwieriger Mathe-Abituraufgaben blieben in den meisten Schulen Brandenburgs aus.
Schülerbeschwerden wegen zu schwieriger Mathe-Abituraufgaben blieben in den meisten Schulen Brandenburgs aus. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Cottbus/Potsdam. Harmonische Klänge in der Region: Landesschülerrat, Bildungsministerium und Gymnasium berichten von Abiturprüfungen ohne Proteste. Von Christina Wessel

Eine Welle des Protests haben die Prüfungen im Mathematik-Abitur ausgelöst. Insbesondere in Bayern beschwerten sich die Schüler über die anspruchsvollen Aufgaben. Insgesamt hatten sich aus mehreren Bundesländern 70­000 Schüler mit einer Online-Petition an die Kultusministerien gewandt. Demgegenüber hält sich die Kritik in Brandenburg in Grenzen. So jedenfalls berichtet es Landesschülersprecher Lambert Wolff aus Königs Wusterhausen. Mehr noch: Er hält die Aufregung in Brandenburg für übertrieben. „Das ist ein Aufspringen auf den Zug, der seinen Ursprung in Bayern hat.“ Dabei will der Schülervertreter den Abiturienten aus dem Süden der Republik die Rechtmäßigkeit des Protests nicht absprechen. „Die Petition mag in anderen Bundesländern durchaus gerechtfertigt sein. Bei uns aber sehe ich keinen Handlungsbedarf.“ Dementsprechend ruhig blieb es nach den Mathe-Prüfungen am Freitag, 3. Mai, in Brandenburg. Wolff: „Es gab bei uns im Landesschülerrat kaum Beschwerden“. Allein bei den Analysis-Aufgaben, die ohne das Computeralgebrasystem (Cas) – ein Programm, das der Bearbeitung algebraischer Ausdrücke dient – gelöst werden mussten, habe er von Problemen aus Schülerseite gehört. Allerdings seien auch diese lösbar gewesen. Es habe bei diesem Themenschwerpunkt schließlich die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Fragestellungen gegeben. Und bei den Aufgaben zur Stochastik, also der Wahrscheinlichkeitsrechnung, seien fast gar keine Beschwerden gekommen.

Ganz anders sieht das der Brandenburger Pädagogenverband. Seine Vertreter finden die Proteste gegen das Mathe-Abitur nachvollziehbar. Präsident Hartmut Stärker ist selbst Lehrer. Er unterrichtet auch Mathematik und löste die Abitur-Aufgaben im Selbstversuch. Das Ergebnis: „Ich habe 15 Stunden benötigt.“ Demgegenüber hätten die Schüler alle Fragen innerhalb von fünf Stunden lösen müssen.

Die Mathe-Prüfung umfasst vier Aufgabenbereiche

Um die Unterschiede zwischen den Abiturprüfungen in den einzelnen Bundesländern zu verstehen, bedarf es der Nachfrage beim Bildungsministerium in Potsdam. Dort weiß Sprecher Ralph Kotsch, wie die Abitur-Fragen entstehen. „Es gibt einen gemeinsamen Aufgabenpool, aus dem sich alle Bundesländer bedienen.“ Die Prüfungsaufgaben selbst generiert eine Gruppe aus Lehrkräften am Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Die beteiligten Pädagogen kommen aus allen Ländern. Welche Fragen die Abiturienten in Brandenburg beantworten müssen, entscheiden letztlich Lehrer und die Fachaufsicht Mathematik aus der Region. Fest steht dabei, dass die Mathe-Prüfung vier Aufgabenbereiche umfasst: einen hilfsmittelfreien Teil, Analysis, analytische Geometrie und Stochastik. Neben den Fragen aus dem gemeinsamen Pool können auch landeseigene Fragen zur Prüfung ausgewählt werden. Zur Bearbeitung für die Aufgaben im Mathe-Abitur stehen den Schülern fünf Stunden zur Verfügung, darin enthalten die individuelle Lese- und Auswahlzeit, die 30 Minuten nicht überschreiten sollte. Für Beschwerden und Sorgen im Zuge der Abiturprüfungen hatte das Brandenburger Bildungsministerium eine Lehrer-Hotline eingerichtet. Auch dort habe es laut Kotsch kaum Rückmeldungen zu überforderten Mathe-Prüflingen gegeben. „Es waren hauptsächlich Formfragen, die uns über dieses Portal erreichten“, bilanziert Kotsch. Zufrieden zeigte sich nach den Abi-Klausuren in Mathematik auch die Gubener Schulleiterin Stefanie Kletzke vom Pestalozzi-Gymnasium. „Die Reaktionen der Abiturienten nach den Prüfungen waren wie in jedem Jahr. Es gab keine größeren Proteste als sonst.“ Welche Aufgaben zur Hochschulreife in den Klausuren gestellt werden, wissen die Schulleiter übrigens auch nicht. Kletzke: „Wir öffnen die Umschläge zu den Abitur-Fragen auch erst am Tag der Prüfung.“

Von den insgesamt 10 360 Abiturienten an 146 Schulen in Brandenburg haben 5782 Schüler im Jahr 2019 das schriftliche Abitur im Fach Mathematik abgelegt. Ministeriumssprecher Kotsch: „Die Prüfungen verliefen reibungslos. Es haben sich keine Anzeichen für Unregelmäßigkeiten ergeben.“