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| 15:40 Uhr

Minister in Israel
Aus der Geschichte lernen

Tel Aviv. Die Beziehungen zwischen jungen Brandenburgern und jungen Israelis wachsen. Von Benjamin Lassiwe

„Ich möchte hören, wie die Menschen auf der anderen Seite der Mauer gelebt haben“, sagt die 15jährige Sheela. „Ich möchte sehen, wie ihr Leben und ihre Kultur heute sind.“ Die junge Israelin aus Raanana, einer Vorstadt von Tel Aviv, wird in einigen Wochen mit einer Jugendgruppe nach Brandenburg kommen. Sie gehört zu den Teilnehmern der bislang 54 Begegnungen von deutschen und israelischen Teenagern, die der Brandenburger Landessportbund und der Fußballverein Hapoel Raanana organisierten. Jeweils mehr als 1500♦Jugendliche und Fachkräfte sind seitdem aus Brandenburg nach Israel und aus Israel nach Brandenburg gereist.

Am Montag stand der Austausch zwischen dem Landessportbund und Haapoel Raanana im Mittelpunkt des Besuchs von Ministerpräsident Dietmar Woidke. Denn ein erklärtes Ziel des Israelbesuchs des Brandenburger Ministerpräsidenten ist es, solche Austauschprojekte voranzubringen. „Unsere Verantwortung ist es, alles dafür zu tun, dass solche Kontakte möglich werden und in der Zukunft fortgesetzt werden“, sagte Woidke zu den Jugendlichen. „Ihr seit die Generation, die für eine gute Zukunft der Welt steht.“

In Raanana dabei war auch der frühere Brandenburger Landtagsabgeordnete Burkhardt Schöps (CDU). „Wir haben historische Verantwortung gegenüber Israel“, sagte Schöps, der schon in den 90er Jahren Jugendbegegnungen organisierte. „Der Jugendaustausch ist eine Chance, junge Menschen zusammenzubringen, die gemeinsam Spaß haben und Sport treiben, und künftig die Zukunft gestalten werden.“ Doch auch der Austausch von Schülern und Studenten gewinnt eine immer größere Bedeutung in den Beziehungen von Brandenburg und Israel. Derzeit gibt es in Brandenburg elf Schulen, die regelmäßig einen Schüleraustausch mit Israel haben. „Es ist wichtig, die Neugierde junger Menschen auf fremde Länder und das Bewusstsein für die besondere Partnerschaft von Deutschland und Israel zu wecken“, sagt Woidke. Seit zehn Jahren kommen etwa Schüler des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums regelmäßig nach Israel, wo sie eine Partnerschule besuchen. Zum Beispiel die 14jährige Anastasija, die in diesen Tagen mit der Jubiläumsgruppe ins Heilige Land gereist ist. „Ich wurde hier sehr herzlich empfangen und sofort von meinen Gasteltern umarmt“, sagt sie dieser Zeitung. Und ihre Schulkameradin Maja ergänzt: „Alle denken, in Israel ist überall Krieg, alle haben Angst – aber das ist nicht so, hier ist es total schön.“ Einig sind sich beide Schülerinnen, dass sie es „persönlich grausam“ oder „total unverschämt“ finden, wenn auf dem Schulhof Witze über Juden gemacht werden. „Die Leute sollten sich mit unserer Geschichte beschäftigen und nicht solche Witze reißen“, sagt Anastasija.

Schon am Montag hatte Woidke den Potsdamer Studenten Aris Kress getroffen. Der in Berlin lebende 23jährige ist für ein Austauschsemester in Tel Aviv. Er findet Israel „unglaublich vielfältig und spannend“, sagte Kress dieser Zeitung. Fast alle seine Kommilitonen hätten durch ihre Zeit im israelischen Militär den Nahostkonflikt hautnah erfahren. „Ich hatte zum Beispiel mit Israelis zu tun, die teilweise im Gazastreifen oder im Libanon waren“, sagte Kress. „Das ist etwas völlig anderes, als in Europa in seinem behüteten zu Hause zu leben.“ Deutschland werde in Israel positiv wahrgenommen. Man sehe, dass es in Deutschland ein klares Statement pro Israel gebe. „Man kann hier als Student ganz andere Dinge lernen als in Deutschland“, sagt Kress. „Derzeit werden ganz viele Themen aus dem Nahen Osten nach Deutschland gebracht, gerade von vielen Geflüchteten, die nach Deutschland kommen – da ist Israel ein guter Startpunkt, um sich mit dem Thema zu beschäftigen.“