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| 19:14 Uhr

Segelschulschiff
Ministerin in schwerer See

 Helm auf bei der Inspektion: Bei ihrem Besuch in Bremerhaven sah Ursula von der Leyen eine marode „Gorch Fock“.
Helm auf bei der Inspektion: Bei ihrem Besuch in Bremerhaven sah Ursula von der Leyen eine marode „Gorch Fock“. FOTO: dpa / Mohssen Assanimoghaddam
Berlin. Die Kosten für die Reparatur des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ laufen aus dem Ruder. dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gerät wegen der explodierenden Kosten bei der Sanierung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ zunehmend unter Druck. Nach Ansicht des Wehrbeauftragten des Bundestags, Hans-Peter Bartels, ist die Reparatur spektakulär aus dem Ruder gelaufen. Er sieht die Kostenexplosion in einer Reihe mit anderen Problemfällen der Bundeswehr. „Alles wird zu teuer, geht zu langsam, wirkt am Ende unfertig – vom Eurofighter bis zur Fregatte F 125“, sagte Bartels der „Passauer Neuen Presse“.

Die Sanierung des 1958 gebauten Dreimasters sollte zunächst knapp zehn Millionen Euro kosten, im März 2018 war dann von 135 Millionen Euro die Rede. Der Rechnungshof machte für die Kostenexplosion auch jahrelange Versäumnisse bei Bundeswehr und Verteidigungsministerium verantwortlich. So sei das Schiff zuletzt vor knapp 40 Jahren vollständig technisch untersucht und dokumentiert worden.

Der Grünen-Politiker Tobias Lindner warf der Ministerin in der „Bild“-Zeitung vor, einen Neubau „nie ernsthaft in Betracht gezogen“ und „die Augen vor den Kosten verschlossen“ zu haben. „Dass die Ministerin die ,Gorch Fock‘ erst nach fünf Jahren im Amt besuchte, zeigt, dass sie die steigenden Kosten bisher nicht ernst genommen hat“, sagte FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Bartels sagte weiter, im Fall „Gorch Fock“ lese er, dass sie seit dem Jahr 2000 für Reparaturen immer wieder in dieselbe Werft gekommen sei. „Aber erst jetzt wird plötzlich festgestellt, dass es Reparaturbedarf gibt, der einen Neubaupreis übersteigt. Eigentlich hätte man schon bei der Kostenexplosion auf 135 Millionen Euro im Frühjahr hellhörig werden müssen.“ Aufregung sei erst entstanden, als sich ein Bundeswehrmitarbeiter selbst angezeigt habe und man nun wegen Korruptionsverdachts ermitteln müsse.

Zuvor hatte von der Leyen vor einer Entscheidung über die Zukunft der „Gorch Fock“ absolute Klarheit über die Sanierung des Segelschulschiffs verlangt. Bei einem Inspektionsbesuch auf dem Schiff in der vorigen Woche in Bremerhaven kündigte sie zugleich an, dass sie den weiteren Kurs binnen einiger Wochen festlegen werde. „Ich mache mir sehr große Sorgen um die „Gorch Fock““, sagte die CDU-Politikerin.

Der Segler sei in „schweres Fahrwasser“ geraten, sagte von der Leyen. „Wir sprechen von Wochen, um Licht in das Dunkel zu bringen.“ Es seien zwei Arbeitsgruppen eingesetzt: eine im Beschaffungsamt, die auch den Korruptionsverdacht behandelt, eine zweite beleuchtet organisatorische Mängel. Ein klares Bild sei für das Ministerium nötig, aber auch für das Parlament. Es gehe um die seemännische Ausbildung, aber auch um sehr viel Geld der Steuerzahler. „Diese Zeit müssen wir uns nehmen“, sagte die Ministerin.

Für ihre mögliche Entscheidung liegen drei Optionen auf der Hand: Die Fertigstellung der Reparatur, eine Verschrottung der Reste oder ein Umbau zu einem Museumsschiff, was ebenfalls erhebliches Geld kosten würde.

Das ganze Traditionsschiff ist so marode, dass es sich inzwischen praktisch um einen Neubau handelt. Zuletzt war der Betrieb der „Gorch Fock“ aus Sicht des Havariebeauftragten gar eine Gefahr für die Besatzung. Der Zustand des Schiffes sei so schlecht gewesen, dass „einen Zeitraum von vielen Jahren eine nicht unerhebliche Gefahr für Schiff und Besatzung ausging“, wie es in dem Bericht des Bundesrechnungshofes heißt.