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| 18:37 Uhr

Washington
„Er schaute mir in die Augen ...“

 Michael Cohen, ehemaliger Anwalt von US-Präsident Trump,  hat eine Menge zu erzählen.  Foto: Alex Brandon/AP/dpa
Michael Cohen, ehemaliger Anwalt von US-Präsident Trump,  hat eine Menge zu erzählen.  Foto: Alex Brandon/AP/dpa FOTO: dpa / Alex Brandon
Washington. Michael Cohen, über zehn Jahre der persönliche Rechtsanwalt  des US-Präsidenten, hat seinen Ex-Chef gnadenlos bloßgelegt. Vor dem amerikanischen Kongress sagte Cohen, „ich bin hier, um die Wahrheit über Herrn Trump zu erzählen.“ Von Peter DeThier

  Cohen bezeichnete den 45. Präsidenten als Rassisten, Hochstapler und Betrüger, der wegen seiner geschäftlichen Verbindungen zum Kreml und daraus resultierenden Interessenkonflikten kompromittiert sein könne. Er selbst „schämt sich“, sagte Cohen, für einen Mann gearbeitet zu haben, der sich auf der Grundlage von Hass und Intoleranz erfolgreich um die Präsidentschaft bewarb.

„Er schaute mir in die Augen und sagte, dass es keine Geschäfte mit Russland gibt“, sagte Cohen. Dieselben Aussagen habe Trump später öffentlich wiederholt und „damit das amerikanische Volk belogen“. Gelogen habe der Präsident auch über seine Rolle bei Schweigegeldzahlungen für eine Affäre für die Porno-Darstellerin Stormy Daniels. Als Beweis präsentierte Cohen einen von Trump unterschriebenen Scheck, mit dem er seinen Anwalt für dessen einschlägige Bemühungen entschädigte.

Auch brachte Cohen Dokumente mit, die beweisen sollen, wie Trump immer wieder über seine persönlichen Finanzen gelogen habe. Darüber hinaus ging es um Drohbriefe an Schulen und Universitäten, die der Präsident besucht hatte und die er zwingen wollte, auf die Veröffentlichung seiner Noten zu verzichten. Zu guter Letzt hatte Cohen auch Papiere, die beweisen sollen, dass der Präsident Gelder aus seiner eigenen karitativen Organisation benutzte, um für ein Donald-Trump-Porträt zu zahlen.

Größer hätte der Kontrast jedenfalls kaum sein können. In Washington hektisches Treiben in Vorbereitung des Cohen-Auftritts. Aus Vietnam hingegen flimmerten Bilder eines krampfhaft lächelnden Präsidenten über den Bildschirm, der gerade mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un speiste, zwischendurch aber trotzdem die Zeit fand, auf Twitter seinen früheren Anwalt zu diskreditieren. In Washington war es so gesehen auch ein offenes Geheimnis, dass das Timing des zweiten Gipfeltreffens zwischen Trump und Kim bewusst gewählt wurde, um von Cohen abzulenken.

Dabei war der öffentliche Auftritt des 52-jährigen Anwalts schon mehrmals verschoben worden. Als Grund gab Cohen Drohungen an, die entweder der Präsident selbst oder dessen Berater und Drahtzieher gegenüber ihm und seiner Familie gemacht haben sollen. Auch am Vorabend der mit großer Spannung erwarteten Anhörung taten Anhänger des Präsidenten ihr Bestes, um  Druck auf den Kronzeugen auszuüben.

Matt Gaetz, ein Abgeordneter aus Florida, stellte auf Twitter die Frage „Hey, Michael Cohen, wissen Deine Frau und Dein Schwiegervater eigentlich von Deinen Freundinnen?“ Vielleicht sei es Zeit „nun darüber zu reden“ fügte Gaetz hinzu. Dann stellte er infrage, inwieweit Cohens Frau ihm treu bleiben würde, wenn Cohen im Mai beginnt, eine dreijährige Gefängnisstrafe wegen Meineids vor dem Kongress, Steuerhinterziehung, Bankbetrugs abzusitzen.

   Diesmal aber wollte sich der langjährige Advokat des Immobilienunternehmers und Präsidenten, der sich über viele Jahre stolz als Trumps „Mann für alle Fälle“ verstand, nicht einschüchtern lassen. Tags zuvor hatte Cohen schon über neun Stunden lang dem Geheimdienstausschuss des Senats Rede und Antwort gestanden.

Am zweiten von insgesamt drei Tagen voller Marathonanhörungen vor Parlamentariern packte Cohen dann richtig aus. Dass Trump ein unverbesserlicher Lügner sei, mag die meisten im Publikum weniger überrascht haben.  Auch habe der Präsident von der geplanten Veröffentlichung von E-Mails der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton auf der Enthüllungsplattform Wikileaks gewusst. Bei einem entsprechenden Telefonat zwischen Trump und seinem engen Freund Roger Stone, der nun auch angeklagt ist, war Cohen nach eigener Darstellung selbst anwesend.

Ob es um einen Scheck über 131 000 Dollar an Daniels, den Versuch, eine Affäre Trumps mit dem früheren Playboy-Model Karen McDougal mit Geld unter den Teppich zu kehren oder Absprachen mit russischen Hackern sowie die Wikileaks E-Mails ging – Ziel war laut Cohen immer dasselbe: den Wahlausgang zugunsten des republikanischen Kandidaten Trump zu beeinflussen und dies als Präsident anschließend zu vertuschen. Wasser also auf die Mühlen von Sonderermittler Robert Mueller, dessen demnächst erwarteter Abschlussbericht nun zusätzliche Brisanz erlangen könnte.

 Michael Cohen, ehemaliger Anwalt von US-Präsident Trump,  hat eine Menge zu erzählen.  Foto: Alex Brandon/AP/dpa
Michael Cohen, ehemaliger Anwalt von US-Präsident Trump,  hat eine Menge zu erzählen.  Foto: Alex Brandon/AP/dpa FOTO: dpa / Alex Brandon