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| 19:19 Uhr

Holocaust-Gedenktag
Merkel fordert "null Toleranz" gegen Antisemitismus

 Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Erinnerung ist wichtig, „um eine Wiederholung zu verhindern.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Erinnerung ist wichtig, „um eine Wiederholung zu verhindern.“ FOTO: dpa / Bernd von Jutrczenka
Berlin. Bundesweit finden zum Internationalen Holocaust-Gedenktag Veranstaltungen für die Opfer des NS-Regimes statt AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zum Internationalen Holocaust-Gedenktag gemahnt, „null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn“ zu zeigen. „Dieser Tag lässt uns daran erinnern, was Rassenwahn, Hass und Menschenfeindlichkeit anrichten können“, sagte Merkel am Wochenende in ihrem Video-Podcast. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warnte: „Unsere Erinnerungskultur bröckelt, sie steht unter Druck von extremen Rechten“.

Die Erinnerung sei wichtig, „um eine Wiederholung zu verhindern“, zeigte sich Kanzlerin Merkel überzeugt. Es sei die Aufgabe jedes Einzelnen, „Verantwortung dafür zu tragen, dass wir null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn zeigen“. Sie verwies auch auf das Engagement der Bundesregierung. So solle es künftig eine beim Antisemitismus-Beauftragten der Regierung, Felix Klein, angesiedelte Meldestelle für antisemitische Vorfälle geben.

Außenminister Maas zeigte sich in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ besorgt über das Unwissen gerade vieler junger Deutscher. 40 Prozent von ihnen wüssten nach eigener Einschätzung kaum etwas über den Holocaust. „Das sind schockierende Zahlen, die wir nicht tatenlos hinnehmen dürfen.“

Wer heute geboren sei, für den sei etwa die Pogromnacht zeitlich genauso weit entfernt wie es bei seiner Geburt ein Reichskanzler Bismarck gewesen sei, erklärte Maas. Das verändere das Gedenken und schaffe mehr Distanz. Nötig seien neue Ansätze, um historische Erfahrungen für die Gegenwart zu nutzen. „Unsere Geschichte muss von einem Erinnerungs- noch stärker zu einem Erkenntnisprojekt werden“, schrieb Maas.

Der frühere Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, wies auf neue Herausforderungen für die Erinnerungskultur hingewiesen. Mit dem „allmählichen Erlöschen der Erlebnisgeneration und dem absehbaren Ende der Zeitzeugenschaft“ werde aus Zeitgeschichte Geschichte, sagte der Historiker im saarländischen Landtag in Saarbrücken. Die emotionale Kraft und Eindrücklichkeit in der Darstellung ihrer subjektiven Geschichte durch Überlebende des NS-Terrors sei jedoch unersetzbar. Neuere Untersuchen ließen vermuten, dass mit zeitlichem Abstand unkritische Übernahmen von Rechtfertigungserzählungen der Großeltern und Urgroßeltern immer noch wirksam seien, sagte Morsch, der bis Ende Mai 2018 die Gedenkstättenstiftung in Oranienburg geleitet hat.

Der Historiker plädierte zudem für eine Weiterbildungspflicht zum Jahrhundert der Extreme für möglichst alle Angestellten und Beamten des Staates, insbesondere in Bildungseinrichtungen, Justiz, Polizei, Verwaltung und Bundeswehr.

Am 27. Januar 1945 wurde das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. An diesem Tag wird in Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.