ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:37 Uhr

Nach Spekulationen
Merkel schließt Wechsel nach Brüssel aus

 Beendet die Spekulationen um die Zeit nach ihrer Kanzlerschaft: Angela Merkel.
Beendet die Spekulationen um die Zeit nach ihrer Kanzlerschaft: Angela Merkel. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Was macht Angela Merkel nach der Kanzlerschaft? Diese Frage hat zu vielen Spekulationen geführt. Nun hat Merkel selbst die Gerüchteküche gestoppt. Von Ellen Hasenkamp

So, das war’s jetzt wohl. In Brüssel, Berlin und anderswo dürften demnächst diverse Flaschen Champagner oder Kisten guten Weins den Besitzer wechseln. Es sind die Einsätze bei einer der heißesten Wetten in diesem kühlen Frühjahr. Sie lautete: Wechselt Angela Merkel nach Europa? Wird die deutsche Bundeskanzlerin EU-Ratspräsidentin? Startet die CDU-Politikerin auf internationaler Ebene noch einmal durch?

Nix da, hat die Kanzlerin nun verkündet. Kein weiteres politisches Amt, egal wo, auch nicht in Europa. Das ist eine für Merkel überraschend deutliche Wortwahl, eine überraschende Wendung ist es aber nun wirklich nicht. All die Überlegungen zu einem Umzug Merkels nach Brüssel oder auch New York waren schon immer ziemlich unwahrscheinlich. Warum hätte sie einer großen Karriere eine weitere und im Zweifel kleinere folgen lassen sollen? Nachfolgerin von Donald Tusk zu werden, ist nun wirklich kein Traumjob, wenn man mehr als ein Jahrzehnt lang Chefin des größten EU-Staates und ungekrönte Miss Europa war. Merkel scheint darüber hinaus entschlossen, zu beweisen, dass es ein glückliches Leben nach der Politik gibt.

Dennoch hatte ein kurzer Satz der Kanzlerin in einem langen Interview das Gedankenkarussell wieder einmal in Gang gesetzt: Aus ihrem „gesteigerten Gefühl der Verantwortung“, sich „um das Schicksal dieses Europas zu kümmern“ wurde umgehend die Mutmaßung, Merkel wolle die europäischen Zügel persönlich in die Hand nehmen. Immerhin hatte sie ja auch die Entscheidung für eine erneute deutsche Spitzenkandidatur vor zweieinhalb Jahren mit ihrer Verpflichtung in schweren Zeiten begründet. An dieser Form der übereifrigen Halbsatzexegese ist die Kanzlerin ein bisschen selber schuld. Denn in den Wochen vor ihrem Rückzug vom CDU-Vorsitz fielen Sätze, die wie das Signal zum Weitermachen klangen. Als Merkel sich dann aber zum Rückzug entschieden hatte, wurde plötzlich auf die Hintertüren in den Formulierungen verwiesen.

Jenseits aller Wortklauberei ist zudem interessant, warum sich die Gedankenspiele so hartnäckig gehalten haben. Mal abgesehen davon, dass solche Spekulationen natürlich immer ein großer Spaß sind und im besten Falle auch den eigenen Vorratskeller befüllen, hatten die Überlegungen durchaus handfeste Ursachen – und die bleiben bestehen. Die wenigsten davon haben etwas mit der europapolitischen Entschlossenheit Merkels zu tun, die meisten dagegen mit einer Art Vakuum, das den Wechsel-Szenarien zuletzt viel Raum ließ. In Deutschland liegt das daran, dass zunehmend klar wird, wie schwierig die Machtteilung zwischen Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer in Wahrheit ist. Die Kanzlerin und die Kanzlerin in spe werden diese Aufstellung womöglich nicht bis 2021 halten können. Und in Europa wiederum gibt es offenbar die große Sehnsucht, mit der mächtigen Merkel das Bedürfnis nach eigener Macht zu befriedigen. Das wiederum traut man all den Spitzenkandidaten, die derzeit unterwegs sind, offenbar nicht zu. Kein gutes Zeichen für die Europawahl.