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| 14:31 Uhr

Umfrage:
Mehrheit der Bundesbürger für Flüchtlings-Ankerzentren

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will die ersten Asyl- und Abschiebezentren bereits im August oder September in Betrieb nehmen.
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will die ersten Asyl- und Abschiebezentren bereits im August oder September in Betrieb nehmen. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Mehr als drei Viertel der Deutschen sind einer Umfrage zufolge für die von der großen Koalition geplanten Asyl- und Abschiebezentren.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die nach „Welt“-Angaben vom Meinungsforschungsinstitut Civey für die Zeitung erhoben wurde. Demnach sprachen sich 77 Prozent der Befragten für sogenannte Ankerzentren aus. Dort sollen sich Asylbewerber aufhalten, bis über ihren Antrag entschieden worden ist. 18 Prozent der Befragten stimmten gegen die Pläne, fünf Prozent zeigten sich unentschlossen.

Auf die Einrichtung dieser Unterkünfte für bis zu 1500 Menschen hatten sich Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen im Bund geeinigt. Wer nicht als Flüchtling anerkannt wird, soll direkt aus dem Zentrum abgeschoben werden.

Die große Koalition erhofft sich dadurch eine Beschleunigung der Asylverfahren und Abschiebungen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will die ersten dieser Einrichtungen bereits im August oder September in Betrieb nehmen.

Am deutlichsten sprachen sich Anhänger der AfD (98 Prozent) laut Umfrage für die Ankerzentren aus – gefolgt von Anhängern der FDP (91 Prozent) und der Union (88 Prozent). Mehrheiten dafür fanden sich zudem bei den SPD-Anhängern (62 Prozent) und den Anhängern der Linken (53 Prozent). Wähler der Grünen sprachen sich als einzige mehrheitlich (57 Prozent) gegen die Einrichtung dieser Zentren aus.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat Kritik an den geplanten neuen Ankerzentren für Flüchtlinge zurückgewiesen. „Diejenigen, die Ankerzentren ablehnen, wollen weniger Ordnung und mehr Zuwanderung“, sagte Dobrindt der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Samstag). Einer solchen „Politik des Reinwinkens“ habe der Koalitionsvertrag eine klare Absage erteilt.

„Deutschland ist doch heute das einzige Land, in das man leichter reinkommt als wieder raus“, sagte Dobrindt. Das müsse dringend geändert werden. Mit den Ankerzentren werde das Asylsystem wieder vom Kopf auf die Füße gestellt. Erst wenn die Identität geklärt und das Verfahren abgeschlossen sei, werde auf die Kommunen verteilt – oder aber direkt abgeschoben. „Wer kein Bleiberecht erhält, soll sich in unserem Land gar nicht erst einrichten“, sagte der CSU-Politiker.

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) stellte dagegen klar, dass noch keine Entscheidung getroffen sei, ob sich NRW an dem Projekt beteilige. Man habe lediglich Gesprächsbereitschaft signalisiert, sagte er im WDR. „Ob NRW ein Ankerzentrum einrichtet, hängt von der Konkretisierung ab“, sagte Stamp. NRW lägen bisher keine detaillierten Informationen über die Pläne von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vor.

Stamp forderte weiterhin einen „Migrationsgipfel“ von Bund, Ländern und Kommunen. Dort müsse besprochen werden, wie die Abschiebung abgelehnter Flüchtlinge, aber auch der Umgang mit Geduldeten verbessert werden kann.

Seehofer will, dass neu eintreffende Flüchtlinge künftig in fünf, sechs großen Aufnahme- und Bearbeitungszentren betreut werden.

Die Bezeichnung „Ankerzentren“ steht für die Begriffe Ankunft, Entscheidung und Rückführung. Gemeint sind Unterkünfte von bis zu 1500 Personen. Kritiker warnen vor einer Kasernierung und eskalierender Gewalt.

(dpa/fh)