ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:28 Uhr

Politik
May besiegt Parteitagsfluch und steht zu ihrem Kurs

Elegant sieht anders aus, aber „Dancing Queen“ Theresa May spielt souverän und selbstbewusst damit.
Elegant sieht anders aus, aber „Dancing Queen“ Theresa May spielt souverän und selbstbewusst damit. FOTO: dpa / Stefan Rousseau
Birmingham. Die britische Premierministerin kämpft auf dem Konservativen-Parteitag für ihre Brexit-Pläne – auch ein Signal an die EU. Von Christoph Meyer

Tänzelnd zu Abbas „Dancing Queen“ kommt Theresa May am Mittwoch auf die Hauptbühne des Tory-Parteitags in Birmingham. Das sieht ein bisschen ungelenk aus. May weiß das. Gerade deswegen ist es ein selbstbewusster Auftritt – ganz anders als noch vor einem Jahr, als die britische Premierministerin vor Hustenanfällen kaum sprechen konnte. May hat den Fluch besiegt.

Zunächst holt May zum Schlag gegen Oppositionschef Jeremy Corbyn aus. Erst relativ spät spricht sie über den Brexit. Und es wird deutlich: Sie bleibt bei ihrem Kurs. Damit bietet sie der EU die Stirn, die ihre Vorschläge bereits im Wesentlichen zurückgewiesen hat. Und sie stellt sich frontal gegen ihre Kritiker in der eigenen Partei, vor allem den scheinbar ewig hinter den Kulissen lauernden Ex-Außenminister Boris Johnson.

Der hatte Mays Pläne zur engen Zusammenarbeit mit der EU nach dem Brexit – den sogenannten Chequers-Deal – als „Betrug“ an den Wählern abgestempelt und den Jubel von mehr als 1000 Anhängern genossen. Doch am Mittwoch schießt May zurück und erntet ebenfalls großen Applaus. Am Ende des Parteitags der Konservativen ist klar: Die Abneigung gegen Mays Bre­xit-Pläne mag groß sein in der eigenen Partei, aber der Appetit auf einen Putsch ist kleiner.

Und: Johnson taugt offenbar nicht als Regierungschef in Reserve. „Ich würde nicht für ihn als Parteichef stimmen“, sagt einer seiner Zuhörer am Dienstag.

In weniger als sechs Monaten tritt Großbritannien aus der EU aus. Die Furcht vor einem ungeregelten Ausscheiden scheint selbst bei eingefleischten Brexit-Enthusiasten durchzudringen. Kein Wunder, fast täglich kommen weitere Großunternehmen hinzu, die vor den drastischen Konsequenzen warnen.

May präsentiert in ihrer Parteitagsrede keine neuen Vorschläge. Doch macht der Brexit-Minister Dominic Raab aus der zweiten Reihe Andeutungen, dass beim schwierigsten Punkt der Verhandlungen das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: der politisch heiklen Irland-Frage.