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| 18:13 Uhr

Vom sächsischen Dresden in die deutsche Hauptstadt
Kann Martin Dulig auch SPD-Chef? 

 Martin Dulig ist zurzeit sächsischer Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident, SPD-Chef in Sachsen und der Ostbeauftragte der Bundes-SPD. Lädt sich der 45-Jährige jetzt für seine Partei noch ein Amt auf?
Martin Dulig ist zurzeit sächsischer Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident, SPD-Chef in Sachsen und der Ostbeauftragte der Bundes-SPD. Lädt sich der 45-Jährige jetzt für seine Partei noch ein Amt auf? FOTO: dpa / Jörg Carstensen
Dresden. Der Sunnyboy der sächsischen Genossen ist als möglicher Nahles-Nachfolger im Gespräch. Noch hält er sich bedeckt. Von Christine Keilholz

Kann der sächsische Wirtschaftsminister neuer Parteichef der SPD werden? Will er überhaupt? Als ihn die Leipziger Volkszeitung jüngst fragte, gab Dulig zur Antwort: „Meine Aufgabe heißt Sachsen.“ Hinterher stellte er klar, dass das weder ja noch nein heiße. Nur eben: Seine Aufgabe heißt Sachsen.

Damit sagt der 45-jährige Dulig das, was alle SPD-Granden sagen, denen jetzt die Ehre zuteil wird, als Kandidaten für den gefährlichen Job infrage zu kommen, den Andrea Nahles vor zwei Wochen hinwarf. Aus Verzweiflung an der SPD wohlgemerkt. Manuela Schwesig rang sich nur zu einer kommissarischen Leitung durch, denn sie muss Mecklenburg-Vorpommern regieren. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil verwies auf entsprechende Pflichten. Nun gehört auch der Sachse Dulig ins inoffizielle Kandidatenfeld, und dafür spricht einiges.

Die Partei müsse sich wieder selbst mögen

Dulig ist jung, ein Charismatiker und ein politisches Talent. Soeben hat er einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt mit Ideen, wie die Sozialdemokratie der Zukunft aussehen soll. Das Papier mit dem Titel „Wie sich die SPD jetzt verändern muss“ erschien just, als die Partei beriet, wie es nach Nahles’ Abgang weitergehen soll. Die Partei müsse sich wieder selbst mögen, fordert Dulig darin: „Nur wer in sich selbst Leidenschaft trägt, kann auch Leidenschaft bei anderen entzünden. Nur wer sich selbst mag, vermag auch die Herzen anderer zu gewinnen.“

Mit Dulig an ihrer Spitze macht die sächsische SPD seit zehn Jahren einen frischen, freundlichen und wandelbaren Eindruck. Sie hat mit ihm aber auch nie einen fulminanten Wahlerfolg eingefahren. Mit den zehn bis 13 Prozent, die Genossen im mehrheitlich bürgerlichen Sachsen üblicherweise holen, können sie im Konzert der Landesverbände keine großen Sprünge machen.

Keine dankbare Position in der Bundespartei

Das bekam auch Dulig zu spüren. Zeitweise wurde er gehypt als Jung-Star der SPD im Osten. In der Bundespartei ist sein Stern trotzdem nicht gestiegen. Den Sprung in ein Bundesministerium hat er nie geschafft. Immerhin machte ihn die SPD im April 2018 zum Ost-Beauftragten ihrer selbst. Keine dankbare Position in einer Partei, in der die mächtigen West-Verbände bislang den Ton angaben.

Doch eine SPD, die bundesweit auf 13 Prozent sinkt, ist nicht mehr weit entfernt vom sächsischen Maß. Das vertritt Dulig mit Lächeln und Verve. Im Januar wählten ihn die Genossen mit 88 Prozent zum Spitzenkandidaten. Damit kämpft der gelernte Erziehungswissenschaftler aus Moritzburg für einen Fortbestand der schwarz-roten Koalition.

Das wird kein leichter Kampf. In den Umfragen hat Schwarz-Rot lange keine Mehrheit mehr. Auch wegen der schwächelnden Sozialdemokraten. Zuletzt gingen sie aus der Europawahl mit nur 8,6 Prozent. Wer das erlebt, der kann nur nach vorn stürmen. In seinen zehn Punkten legt Dulig nun der Partei nahe, sich „aus der Volkspartei alter Prägung“ mitsamt ihrer inhaltlichen Beliebigkeit fortzuentwickeln. Die SPD müsse eine „Gesellschaftspartei“ werden, die zentrale Zukunftsfragen beantwortet. Sie soll „ihre Hinterzimmer gründlich auslüften“ und die Türen öffnen für „mutige Querdenker“. Sie solle besser „Abbitte leisten“ bei den Wählern, die sie verloren hat.

Der Lausitzer Jurk kann sich Dulig gut an der Spitze vorstellen

Martin Dulig als Kandidat für den SPD-Vorsitz, das kann sich der Lausitzer SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk gut vorstellen: „Er kann als Sachse eine Sichtweise in die Partei einbringen aus einer Region, wo die SPD nicht seit Jahrzehnten stark vertreten ist. Das wäre ein Gegengewicht zu der Filterblase der großen Landesverbände mit ihren starken Ortsvereinen.“

Vorsichtige Zustimmung kommt von den Genossen aus Brandenburg. „Wir freuen uns über jeden Kandidaten aus dem Osten“, sagte Generalsekretär Erik Stohn der RUNDSCHAU.