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| 17:57 Uhr

Marsch gegen Waffengewalt
Die US-Jugend will die Machtprobe mit der NRA

Dass es noch Hoffnung gibt in der amerikanischen Waffendebatte, haben die Überlebenden des Blutbads von Parkland eindrucksvoll bewiesen. Hunderttausende folgten ihrem Aufruf, in Washington für strengere Waffengesetze zu demonstrieren. Frank Herrmann, Washington

Dass es noch Hoffnung gibt in der amerikanischen Waffendebatte, haben die Überlebenden des Blutbads von Parkland eindrucksvoll bewiesen. Hunderttausende folgten ihrem Aufruf, in Washington für strengere Waffengesetze zu demonstrieren.

In der Hauptstadt eines Landes, dessen Parlament sich zum letzten Mal vor 24 Jahren mit einem zeitweiligen Verbot von Schnellfeuergewehren zu schärferen Waffenparagrafen durchringen konnte, machten sie deutlich, dass ihre Geduld am Ende ist. Die Generation, die seit dem Massaker an der Columbine High School üben muss, wie man sich in Schulen vor potenziellen Amokläufern mit Kriegswaffen versteckt, sie hat ihre markante Stimme gefunden.

Offen bleibt, was dem Marsch an praktischem Handeln folgt. In letzter Zeit ist es der NRA, Amerikas mächtiger Waffenlobby, noch immer gelungen, eine Mehrheit der Abgeordneten auf ihre Linie zu bringen. Sich mit ihr anzulegen schien vielen zu riskant, zumal dann, wenn sie in ländlich geprägten Landstrichen kandidierten. Wie immer das Ringen diesmal ausgeht, eines lässt sich schon jetzt mit Bestimmtheit sagen: Mit den Teenagern aus Florida ist den Interessenvertretern der Waffenindustrie ein ebenbürtiger Gegner erwachsen.

Zornig auf Politiker, die keine Antennen zu haben scheinen für die Ängste der "Generation Columbine", verlangen sie Taten. Nicht irgendwann, sondern gleich. Mit reiner Kosmetik, etwa dem Verbot von Schnellfeuer-Aufsätzen für Sturmgewehre, nach dem Massenmord an Konzertbesuchern in Las Vegas ins Auge gefasst, wird sie sich nicht mehr abspeisen lassen. Sie will die Machtprobe mit der NRA. Und vor allem: Teenager wie Emma Gonzalez, David Hogg oder Cameron Kasky verstehen ihre Emotionen in Worte zu fassen. Ihre Sätze haken sich schon deshalb fest im kollektiven Gedächtnis der Nation, weil sie unbequeme Wahrheiten bündeln. Obendrein zeigen sie Stehvermögen, so bald also dürften sie die politische Bühne nicht wieder verlassen. Allein das ist Hoffnung genug.