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Armutsgefährdung rapide gestiegen
Arme Generation 75plus

Berlin. Armutsgefährdung gestiegen: Viele Rentner kommen kaum über die Runden. Stefan Vetter

Immer mehr langjährige Ruheständler in Deutschland kommen mit ihrem Einkommen kaum noch über die Runden. Seit 2010 hat sich die Zahl der armutsgefährdeten Rentner im Alter von 75 Jahren und älter mehr als verdoppelt. Waren vor sieben Jahren in dieser Altersgruppe noch 593 000 Personen betroffen, so lag die Zahl 2016 bereits bei 1,3 Millionen. Das geht aus neuen Daten des Europäischen Statistikamtes Eurostat hervor, die der RUNDSCHAU vorliegen.

Im Jahr 2016 waren demnach 16,2 Prozent der Generation 75plus in Deutschland von Armut bedroht. 2010 lag der Anteil noch bei 12,3 Prozent. Als arm gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Darunter fallen nicht nur Löhne oder Renten, sondern auch staatliche Transfers wie zum Beispiel das Wohngeld. Laut Eurostat lag die Armutsgefährdungsschwelle in Deutschland im vergangenen Jahr bei einem Monatseinkommen von 1064 Euro.

Nach Einschätzung der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken, Sabine Zimmermann, wird die Altersarmut zu einem immer drängenderen Problem. Ihre Bekämpfung müsse daher zur zentralen Aufgabe einer künftigen Koalition werden, sagte Zimmermann der RUNDSCHAU. Die scheidende Bundesregierung habe das Thema ignoriert. „Aber auch die Bedingungen am Arbeitsmarkt müssen dringend verbessert werden, um künftige Altersarmut zu verhindern“, forderte Zimmermann. Notwendig seien die Abschaffung von prekärer Beschäftigung sowie eine Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Armutsgefährdung der Generation 75plus exakt im Durchschnitt. Unter den 28 EU-Staaten betrug die Quote im Jahr 2016 laut Eurostat ebenfalls 16,2 Prozent. Mit 15,3 Prozent nur wenig darunter lag der Anteil im Nachbarland Österreich, dessen Rentensystem von manchen Experten als Vorbild für Deutschland gepriesen wird. Den höchsten Anteil armutsgefährdeter Rentner verzeichnete Estland mit 48,2 Prozent. Die niedrigste Quote in der EU wies Ungarn auf. Dort waren es nur 5,1 Prozent.