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| 07:36 Uhr

Hier in nrw
Laschet mischt im Tafel-Streit mit

Das hätte er aber besser bleiben lassen sollen. Die Bewertung ist unangemessen.

Überraschend mischte sich jetzt auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in die Debatte um die Essener Tafel ein. Er äußerte Verständnis für die bundesweit polarisierende Entscheidung der Essener, die - jüngsten Informationen zufolge voraussichtlich bis Ende März - keine Ausländer aufnehmen wollen, weil diese sonst die deutschen Stammkunden verdrängen würden. Es gebe "keinen Rechtsanspruch, dort etwas zu bekommen", so Laschet. Der finanziell festgelegte Satz, den ein junger Flüchtling in Deutschland für Lebensmittel erhält, ist seiner Ansicht nach "in hohem Maße ausreichend".

Damit reiht Laschet sich ein in eine lange Kette von Politikern, die das Vorgehen in Essen öffentlich wahlweise begrüßt oder verurteilt haben: Kanzlerin Merkel (CDU) sagte mit Blick auf Essen "Das ist nicht gut", ihre Parteifreunde Wolfgang Bosbach und Jens Spahn äußerten hingegen wie Laschet Verständnis. Aus der SPD kam überwiegend Kritik, zuletzt von Karl Lauterbach, der die Entscheidung der Essener mit "Ausländerhass" in Verbindung brachte.

Laschet und all die anderen Politiker, die meinen, die Entscheidung der Tafel öffentlich bewerten zu müssen, liegen falsch. Unabhängig davon, ob sie für oder gegen die Entscheidung der Tafel sind. Denn bei den Mitarbeitern der Tafel handelt sich um ehrenamtliche Helfer, die ihr privates Geld und ihre Freizeit opfern, um Nächstenliebe zu praktizieren. Anders als im sonstigen Leben, wo es auf Differenzierung ankommt, kann es für derartiges Engagement allenfalls pauschale Anerkennung geben. Die Bewertung einzelner Aktionen innerhalb eines übergeordneten ehrenamtlichen Engagements ist fast immer unangemessen. Ob und wie die Tafel in Essen wem hilft oder auch nicht, geht weder n Laschet noch sonst irgendeinen Politiker etwas an. Eigentlich geht es überhaupt niemanden etwas an.

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