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Las Ramblas versinken in blutigem Terror

Polizisten und Sanitäter tragen eine verletzte Frau über die Straße. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich in der Nacht auf etwa 80.
Polizisten und Sanitäter tragen eine verletzte Frau über die Straße. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich in der Nacht auf etwa 80. FOTO: dpa
Barcelona. Mitten in der Urlaubssaison trifft die Gewalt Spanien. Ein Lieferwagen rast in Barcelonas beliebtem Boulevard in eine Menschenmenge. Mindestens 12 Menschen sind tot, Dutzende teils schwer verletzt. Zwei Verdächtige werden gefasst. Carola Frentzen / dpa/bl

Der Schrecken nähert sich unerwartet um kurz nach 17 Uhr auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas. Viele Menschen schlendern bei sonnigem Sommerwetter an Geschäften und Restaurants vorbei, als plötzlich ein weißer Lieferwagen auf sie zurast. Laut Augenzeugen fährt ein Mann mit hoher Geschwindigkeit Zickzack auf die Leute zu. Anschließend flieht er. Der Täter hinterlässt eine Spur aus Blut und Tränen. Mindestens 12 Menschen sterben.

"Leute sind durch die Wucht des Aufpralls in alle Richtungen geschleudert worden", zitiert die Zeitung "El País" eine Augenzeugin. "Auch drei Fahrradfahrer wurden getroffen."

Ein französischer Tourist berichtet dem Sender BFMTV, er habe sich gerade noch vor dem Lieferwagen retten können, aber ein Passant direkt hinter ihm sei angefahren worden. "Als das Fahrzeug vorbei war, haben wir denen geholfen, die am Boden lagen", sagt der Mann.

Dann herrscht für Stunden totales Chaos. Ständig sind Sirenen zu hören, Rettungswagen eilen durch die Stadt. Die Polizei will aber lange nicht von "Terror" sprechen. Am Abend erklärt sie via Twitter, der Zwischenfall werde wie eine Ter ror attacke behandelt - aber das Motiv sei unklar. Kurz vor 19 Uhr kommt dann die offizielle Bestätigung: Nach Nizza, Paris, Berlin und London ist auch Barcelona ins Visier von Extremisten gerückt. Kurze Zeit später bekennt sich die IS-Terrormiliz zu dem Anschlag.

Die katalanische Regionalregierung offenbart am Abend die erschreckende Bilanz: Mindestens ein Dutzend Menschen sind tot, 80 weitere liegen mit teils schwersten Verletzungen im Krankenhaus. Das spanische Königshaus reagierte entsetzt: "Das sind Mörder, einfach Kriminelle, die uns nicht terrorisieren werden", erklärte der Palast in der Nacht über Twitter.

Der deutsche Augenzeuge Albert Zeitler berichtet, die Polizei habe mit Bändern die Straße abgesperrt. Menschen seien in Panik umhergelaufen. "Eine Person lag verletzt oder tot, ich weiß es nicht, auf dem Boden", sagte Zeitler, der in Barcelona lebt. In einer Querstraße zum Museum für zeitgenössische Kunst sei es wie in einer "Kriegszone" gewesen, erzählte Zeitler weiter. "Polizisten mit Maschinengewehren und Gewehren im Anschlag kamen in der Straße auf mich zugerannt."

Umgehend sicherten Einsatzkräfte auch andere touristische Hotspots der Stadt, darunter die Basilika Sagrada Familia. Das Zentrum der Stadt sei kurz nach dem Anschlag völlig leer gewesen, berichteten Menschen in Barcelona. Vielen Bürgern stand der Schock ins Gesicht geschrieben. Vor den Fernsehkameras brachen einige in Tränen aus.

Der Fahrer war zunächst auf der Flucht, wurde aber laut Polizei am Abend gefasst. Der Mann komme aus Marseille und habe nordafrikanische Wurzeln, berichteten katalanische Medien. Zwei weitere Männer seien auf der Flucht, hieß es. Später wurde eine zweite Festnahme bestätigt. Zeugen berichteten auch von Schüssen, was von der Polizei aber zunächst nicht bestätigt wurde.

Auf Videos waren Menschen zu sehen, die panisch flüchteten, während Polizei- und Krankenwagen zum Anschlagsort rasten. Laden- und Barbesitzer schlossen Türen und Fenster und ließen die Rollläden herunter. Offenbar hatten viele verängstigte Passanten in umliegenden Gebäuden Schutz gesucht. Später wurden sie unter Polizeischutz hinausbegleitet. Die Sicherheitskräfte sperrten das Gebiet weiträumig ab und forderten die Bevölkerung immer wieder eindringlich auf, den Ramblas fern zu bleiben. Die Kliniken in der katalanischen Metropole riefen zu Blutspenden auf.

Zum Thema:
Die Flaniermeile Las Ramblas (auch: La Rambla) ist die berühmteste Straße von Barcelona. Die knapp 1,3 Kilometer lange Promenade im Zentrum der Stadt führt vom Plaça de Catalunya im Norden bis zum Alten Hafen am südlichen Ende. Mit seinen historischen Häusern, der alten Markthalle und dem Liceu-Theater sowie den Blumenhändlern und Straßenkünstlern zählt der Boulevard zu den Hauptattraktionen für Touristen. Entlang der Ramblas und in Seitengassen befinden sich viele Hotels, Restaurants und Hostels. (dpa/bl)