• Am Sonntag, 06.06.2021, haben die Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag gewählt
  • Die CDU ist klarer Wahlsieger mit 37,1 Prozent vor der AfD
  • Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kann eine dritte Amtszeit als Ministerpräsident beginnen.
  • Die CDU hat mehrere Optionen zur Bildung einer Koalition in Magdeburg
  • Grüne und SPD sind zur Fortsetzung der Kenia-Koalition bereit
  • Die Landtagswahl gilt als letzter Stimmungstest vor der Bundestagswahl am 26. September 2021

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Das vorläufige Ergebnis

Das vorläufige amtliche Ergebnis laut Landeswahlleitung in Prozent:

  • CDU 37,1
  • AfD 20,8
  • Linke 11
  • SPD 8,4
  • Grüne 5,9
  • FDP 6,4
  • FW 3,1
  • Andere 7,1

Sitzverteilung im Magdeburger Landtag laut vorläufigem Ergebnis (97 Sitze; Mehrheit: 49 Sitze):

  • CDU 40
  • AfD 23
  • Linke 12
  • SPD 9
  • Grüne 6
  • FDP 7
Insgesamt 449 Kandidatinnen und Kandidaten von 22 Parteien stellten sich zur Wahl, verteilt in 41 Wahlkreisen. Mit eingerechnet in den künftigen Landtag von Sachsen-Anhalt sind bereits Überhangmandate. Ursprünglich sitzen im Landesparlament in Magdeburg 83 Abgeordnete.

Wahl Sachsen Anhalt 2021: Ministerpräsident Reiner Haseloff hat mehrere Regierungs-Optionen

CDU, SPD, GRÜNE (Nach den Flaggenfarben Kenia-Koalition genannt):

Die regierende Koalition käme auf eine Mehrheit von 55 der 97 Sitze. Haseloff hatte sich vor der Wahl mehrfach ausgesprochen zufrieden über die Arbeit des Dreierbündnisses geäußert und für eine Neuauflage offen gezeigt. Harmonisch verliefen die letzten fünf Jahre aber keineswegs, immer wieder stand das Bündnis kurz vor dem Aus. Die Grünen sind in weiten Teilen der CDU noch immer ausgesprochen unbeliebt, vor allem die grüne Agrarpolitik der Regierung war vielen Konservativen ein Dorn im Auge.

CDU, SPD, FDP (Deutschland-Koalition):

Diese Koalition gilt als Favorit der CDU-Basis, sie hätte mit 56 Sitzen einen mehr als eine Kenia-Koalition. Mit Justizministerin Anne-Marie Keding und Verkehrsminister Thomas Webel sprachen sich bereits zwei derzeitige Kabinettsmitglieder für Schwarz-Rot-Gelb aus. Haseloff war Fragen, ob die FDP nicht der natürliche Partner der CDU sei, aber oft ausgewichen.

CDU, SPD:

Mit einer damals noch großen Koalition regierte Haseloff bereits in seiner ersten Amtszeit von 2011 bis 2016. Grundsätzlich wäre er wohl auch dazu bereit. Die hauchdünne Ein-Stimmen-Mehrheit von 49 Sitzen macht das Zweierbündnis aber sehr unwahrscheinlich. Eine solche Koalition wäre von einzelnen Abgeordneten erpressbar, hieß es am Sonntag aus der CDU. Haseloff hatte sich stets für eine stabile Regierung ausgesprochen.

CDU, GRÜNE, FDP (Jamaika-Koalition):

Mit 53 Sitzen hätte auch diese Koalition eine Mehrheit. Sie wollte Haseloff schon ein mal schmieden, allerdings in Berlin: als CDU-Mitverhandler auf Bundesebene 2017. Dass FDP-Chef Christian Lindner die Verhandlungen damals platzen ließ, nahm Haseloff ihm übel. Vor allem müsste die CDU in dieser Konstellation aber weiter mit den Grünen regieren und das mit einer kleineren Mehrheit als in einer Deutschland-Koalition. Sachsen-Anhalts erste Jamaika-Koalition erscheint am Morgen nach der Wahl daher unwahrscheinlich.
Kommentar zur Sachsen-Anhalt-Wahl CDU-Sieg nur wenig beruhigend

Cottbus

Kenia-Koalition: SPD und Grüne zu Gesprächen mit der CDU bereit

Aktuell regiert in Sachsen-Anhalt ist die Regierung eine sogenannte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Eine Fortsetzung wäre den aktuellen Umfragen zufolge möglich. Denkbar sind aber auch ein schwarz-rot-gelbes oder schwarz-grün-gelbes Bündnis. Der seit 2011 amtierende Ministerpräsident Reiner Haseloff strebt eine dritte Amtszeit an.
Die bisherigen Juniorpartner in der CDU-geführten Koalition in Sachsen-Anhalt sind nach der Landtagswahl zu Gesprächen über eine Fortsetzung der gemeinsamen Regierung bereit. „Für Gespräche unter Demokraten stehen wir zur Verfügung“, sagte SPD-Spitzenkandidatin Katja Pähle am Sonntagabend in der ARD.
Das Ergebnis wertete Pähle als klaren Wahlerfolg für Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU): Nun sei es an ihm, zu Gesprächen über die Regierungsbildung einzuladen, sagte Pähle.
Die Grünen äußerten sich ähnlich. „Wir sind zu Gesprächen bereit“, sagte Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner in Magdeburg. Vom Abschneiden seiner Partei zeigte er sich enttäuscht. „Ich hätte mir größere Zuwächse gewünscht“, sagte Kellner.
Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt habe sich ein Trend gezeigt, der bereits in den vorangegangenen Landtagswahlen zu beobachten gewesen sei: „Viele Menschen sammeln sich hinter der Partei des Ministerpräsidenten, weil sie nicht wollen, dass die AfD starken Einfluss hat“, sagte Kellner.

Sachsen-Anhalt-Wahl: AfD-Bundesvorsitzender Chrupalla „sehr zufrieden“

Die AfD hat sich „sehr zufrieden“ über das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geäußert. Der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla sprach am Sonntag in der ARD von einem „sehr guten Ergebnis“. An die Adresse der Union sagte er: „Wir können hier durchaus eine bürgerlich-konservative Regierung bilden.“ Die AfD lag nach den Prognosen von 18.00 Uhr erneut auf Platz zwei, aber etwas schwächer als bei der letzten Wahl 2016.

Linken-Chef Dietmar Bartsch: Ergebnis ist „zweifelsfrei eine Niederlage“

Der Linksfraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, zeigte sich vom abermaligen Einbruch seiner Partei hingegen enttäuscht. „Das ist zweifelsfrei eine Niederlage.“ Bartsch bezeichnete die Verluste als „pandemiebedingt“. Zudem habe es eine „wahnsinnige Polarisierung“ zwischen CDU und AfD gegeben.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Haseloff wählt in Wittenberg

Die Wahl war nach Angaben der Landeswahlleitung am Sonntag, 06.06.2021, ohne Probleme gelaufen. Es seien keine Störungen bekannt, sagte eine Sprecherin. Bis 18 Uhr waren rund 1,8 Millionen Menschen aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen.
Ministerpräsident Reiner Haseloff trat in Wittenberg an die Wahlurne. Der CDU-Politiker und Spitzenkandidat der Union im Land wurde in seiner Heimatstadt von seiner Frau Gabriele begleitet. Er habe alles getan, was notwendig und machbar gewesen sei, um die Menschen zu überzeugen, sagte der Christdemokrat. Dieser Sonntag sei der Tag der Wähler. Mit einem ersten Stand zur landesweiten Beteiligung wird laut Landeswahlleitung ab Mittag gerechnet.
Landtagswahl Sachsen-Anhalt Das Ende der Kenia-Koalition?

Berlin

Der Ausgang der Landtagswahl wird bundesweit mit Spannung erwartet. Nach den jüngsten Umfragen könnte es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU und der AfD kommen. Es ist die letzte Landtagswahl vor der Bundestagswahl im September. Die Stimmabgabe des Ministerpräsidenten und auch anderer Spitzenkandidaten von Parteien wie der AfD wurden begleitet von einem großen Medieninteresse.

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Kirchner und die AfD wollen stärkste Partei werden

In den landesweit mehr als 2000 Wahllokalen galten die Corona-Regeln mit Abstands- und Hygieneregeln sowie Maskenpflicht. Angesichts der Pandemie wird von einem hohen Anteil an Briefwählern ausgegangen. Mancherorts bildeten sich vor den Wahllokalen aber auch Schlangen. In Sachsen-Anhalt regieren seit 2016 die CDU, die SPD und die Grünen zusammen als Deutschlands erste sogenannte Kenia-Koalition. Der CDU-Ministerpräsident Haseloff hat laut Umfragen gute Chancen auf eine dritte Amtszeit. Der Christdemokrat hatte im Wahlkampf eine Zusammenarbeit mit der AfD nach der Landtagswahl ausgeschlossen.
Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner, sagte bei seiner Stimmabgabe in Magdeburg, er hoffe, dass die Partei am Sonntag stärkste Kraft werde. Er sei aber auch mit einem Ergebnis zufrieden, das sich zwischen 22 und 26 Prozent bewege, sagte Kirchner. „Ich würde mir wünschen, dass das hier auch ein richtungsweisendes Ergebnis für die Bundestagswahl wird.“
AfD-Kandidat Oliver Kirchner bei der Abgabe seiner Stimme in einem Wahllokal zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021.
AfD-Kandidat Oliver Kirchner bei der Abgabe seiner Stimme in einem Wahllokal zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021.
© Foto: DPA

Politologe zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD verdankt Stärke der „Orientierungslosigkeit“ der CDU

Die AfD in Sachsen-Anhalt verdankt ihre Stärke nach Ansicht des Politologen Wolfgang Schroeder der partiellen Integrationsschwäche und „Orientierungslosigkeit“ der CDU im Osten. Die AfD sei mit ihrem Oppositionskurs gegen die schwarz-rot-grüne Regierung „sehr erfolgreich“ gewesen und habe sie im Streit um die Rundfunkgebühren fast zum Zerfall gebracht, sagte Schroeder der Nachrichtenagentur AFP. „Das entscheidende Problem ist eine ostdeutsche CDU, die anders als im Westen keine klare Grenze zur AfD ziehen kann.“
Der Kasseler Politikwissenschaftler erwartet, dass die AfD bei der Landtagswahl am Sonntag „mindestens so stark wie 2016“ wird, als sie 24,3 Prozent erreichte. Er verwies darauf, dass die AfD-Werte in Umfragen häufig niedriger lägen als die tatsächlichen Wahlergebnisse der Partei. So habe sie in Sachsen-Anhalt 2016 über fünf Punkte mehr im Vergleich zu ihren Umfragewerten kurz vor der Wahl erzielt.

Ergebnisse der Landtagswahl 2016 - Und Wahlbeteiligung 2021 bis zum Mittag

Die CDU hatte vor fünf Jahren 29,8 Prozent der Wählerstimmen in Sachsen-Anhalt bekommen. Die AfD kam 2016 auf 24,3 Prozent. Die Linke bekam 16,3 Prozent der Wählerstimmen, die SPD 10,6 Prozent und die Grünen 5,2 Prozent. Die FDP scheiterte mit 4,9 Prozent an der 5-Prozent-Hürde. Der Liberalen haben laut Umfragen Chancen auf den Wiedereinzug in das Magdeburger Parlament.
In Sachsen-Anhalt zeichnet sich ein unterschiedliches Bild bei der Wahlbeteiligung ab. Bis zum frühen Nachmittag gingen 27,1 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen, wie die Landeswahlleitung mitteilte. Zudem sei mit einem erhöhten Briefwahlanteil zu rechnen, was noch in die Wahlbeteiligung einfließen werde. Bei der Landtagswahl am 13. März 2016 lag die Wahlbeteiligung den Angaben zufolge um 14 Uhr bei 35,4 Prozent, bei geringerem Briefwahlanteil. Der Ausgang der Landtagswahl am Sonntag wird auch bundesweit mit Spannung erwartet.
Bis zum Mittag lag die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt noch unter der aus dem Jahr 2016.
Bis zum Mittag lag die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt noch unter der aus dem Jahr 2016.
© Foto: DPA

LTW in Sachsen-Anhalt: CSU analysiert Ergebnis in einer Vorstandssitzung

Die Analyse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht im Mittelpunkt einer Vorstandssitzung der CSU am Montag in München. Die Abstimmung in Sachsen-Anhalt galt als letzter Stimmungstest vor der Bundestagswahl am 26. September. CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder wird vor Beginn der Sitzung (9.45 Uhr) eine Stellungnahme abgeben. Nach dem Ende der Sitzung wird sich Generalsekretär Markus Blume den Fragen der Medien stellen.
Die nur in Bayern antretende CSU will nach Angaben ihres Vorsitzenden Markus Söder überdurchschnittlich zum Wahlergebnis der Union beitragen und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) damit möglichst ins Kanzleramt verhelfen. Allerdings hatte auch die kleinere der beiden Schwesterparteien zuletzt in Umfragen Federn lassen müssen. Die Grünen hatten auch in Bayern gegenüber der CSU aufgeholt. Eine weniger bedeutende Rolle als etwa in Sachsen-Anhalt spielt in Bayern dagegen die AfD.