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Kremlkritiker Nawalny wieder freigelassen
Landesweite Proteste gegen Präsident Putin

In Russland demonstrierten Tausende gegen Präsident Putin.
In Russland demonstrierten Tausende gegen Präsident Putin. FOTO: dpa, zeus lis wie
Kremlkritiker Alexej Nawalny ist nach seiner vorübergehenden Festnahme bei Protesten gegen Russlands Präsident Wladimir Putin wieder auf freiem Fuß. Auf seinen Aufruf hin hatten Tausende in 120 russischen Städten gegen Putin demonstriert.

"Man hat mich freigelassen", teilte der 41-Jährige am Sonntagabend über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Er bedankte sich bei allen Teilnehmern der Kundgebungen für ihren "mutigen Einsatz" für ihre Rechte. Nawalny hatte für Sonntag zu landesweiten Protesten gegen die Präsidentschaftswahl am 18. März aufgerufen, die nach seiner Auffassung auf den Sieg Putins zugeschnitten ist. Vor allem junge Menschen beteiligten sich an den Protesten, die auch in Moskau und St. Petersburg stattfanden. Landesweit wurden nach Zählung der unabhängigen Bürgerrechtsorganisation OVD-Info 250 Menschen festgenommen.

Bürodurchsuchung

Nawalny wurde von mehreren Polizisten in Gewahrsam genommen, als er sich den Demonstranten in Moskau anschließen wollte. Die Polizei warf ihm vor, die "Verfahrensregeln bei der Organisation einer Kundgebung" verletzt zu haben - das Rathaus von Moskau hatte zuvor eine Genehmigung verweigert. Bereits am Morgen waren Polizisten in Nawalnys Moskauer Büro eingedrungen. Seinem Team zufolge wurden auch mehrere Mitarbeiter seiner Anti-Korruptions-Stiftung festgenommen.

Der Anti-Korruptionskämpfer, Blogger und Jurist wollte Putin bei der Wahl herausfordern, die Wahlkommission schloss ihn aber wegen einer Verurteilung zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe wegen Unterschlagung aus. Nawalny bestreitet die ins Jahr 2009 zurückreichenden Vorwürfe, er spricht von einem politisch motivierten Urteil. Die Proteste am Sonntag sollten dabei helfen, einen "Wählerstreik" zu organisieren. Eine niedrige Wahlbeteiligung im März wäre ein Rückschlag für Putin, der sich ein starkes neues Mandat für die kommende Amtszeit erhofft.

(sbl)