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| 09:44 Uhr

Düsseldorf
Künftig 27 Schüler in einer Klasse

Düsseldorf. Die NRW-Schulministerin will im neuen Schuljahr die Situation an Grund- und Förderschulen verbessern. Die Lehrergewerkschaft zweifelt, ob sich genug ausgebildete Pädagogen finden lassen. Kirsten Bialdiga

Die nordrhein-westfälische Landesregierung schafft im kommenden Schuljahr Hunderte neue Stellen an Förderschulen und zur Entlastung der Grundschullehrer. Wie es in einem Bericht zur Unterrichtsversorgung heißt, den Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) diese Woche im Landtag vorstellt, sollen an Förderschulen allein 931 Lehrerstellen hinzukommen. Profitieren sollen Kinder, die emotionale, soziale und sprachliche Defizite aufweisen. Weitere 600 Stellen für Erzieher und Sozialpädagogen sollen im Schuljahr 2018/19 an Grundschulen entstehen, um den Mangel an Grundschullehrern abzufedern, heißt es weiter.

Mit den neuen Stellen will die Landesregierung ein zentrales Wahlversprechen einlösen. Probleme bei der Inklusion, also dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne besonderen Förderbedarf, hatten landesweit zu großem Unmut geführt und gelten als einer der entscheidenden Gründe für die Wahlniederlage der rot-grünen Vorgängerregierung.

Im neuen Schuljahr sollen zudem die Klassen kleiner werden: An Realschulen und in der Sekundarstufe I der Gymnasien und Gesamtschulen sollen 27 Schüler pro Klasse die Regel sein, an Hauptschulen 24. Dieser Richtwert darf allerdings überschritten werden.

Den Unterrichtsausfall will Gebauer künftig landesweit digital für jede Schule gesondert erfassen. Hierzu sind im Landeshaushalt 183 zusätzliche Lehrerstellen vorgesehen. Es handele sich um Ausgleichstellen für die Entlastung von Lehrkräften, die sich an den Schulen mit der statistischen Erfassung des Unterrichtsausfalls beschäftigten, hieß es dazu im Schulministerium.

In ihrem Bericht konkretisiert die Ministerin erstmals auch, über welchen Zeitraum hinweg Lehrer Überstunden leisten müssen. Demzufolge sollen sie aus schulorganisatorischen Gründen für bis zu sechs Monate zu sechs Wochenstunden Mehrarbeit verpflichtet werden können. Dies muss aber durch Minderarbeit ausgeglichen werden.

Maike Finnern, stellvertretende Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen, begrüßte zwar das Vorhaben der Landesregierung, an Förder- und Grundschulen mehr Stellen zu schaffen, äußerte aber Zweifel, ob es auch realisiert werden kann: "Es ist fraglich, ob die Stellen besetzt werden können." An den Universitäten gebe es nicht genug Studienplätze vor allem für Sonderpädagogen und Grundschullehrer, weil die Lehrerausbildung für sie nicht von großem Interesse sei.

Sehr kritisch beurteilte Finnern die geplante Überstundenregelung: "Der Personalmangel an den Schulen soll damit auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen werden." Mit sechs zusätzlichen Stunden steige für viele Lehrer die reine Unterrichtszeit auf 31,5 Stunden pro Woche. Hinzu kämen Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturen. "Das ist nicht zu leisten", sagte Finnern.

Das Problem fehlender Lehrer lässt sich dem schulpolitischen Sprecher der SPD-Opposition, Jochen Ott, zufolge nur lösen, wenn an den Universitäten mehr Studienplätze für die Lehrerausbildung geschaffen werden: "Darüber muss die Landesregierung mit den Universitäten verhandeln." Dieter Cohnen von der Landeselternschaft der Gymnasien fordert, dass dort bei der Rückkehr zu G 9 nicht weniger Lehrer pro Schüler als an Gesamtschulen vorgesehen seien.

Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, gibt es im kommenden Schuljahr in NRW voraussichtlich knapp 6000 Schüler mehr als im Vorjahr. Ihre Zahl steigt damit landesweit auf knapp 2,3 Millionen.