| 11:31 Uhr

Juso-Chef
Kühnert lehnt Kurzzeit-SPD-Mitgliedschaften gegen Groko ab

Vor dem Groko-Mitgliederentscheid der SPD schnellt die Zahl spontaner Parteieintritte in die Höhe. Aber Juso-Chef Kühnert spricht sich dagegen aus, Neumitglieder vorübergehend anzuwerben, nur um eine große Koalition zu verhindern. Jan Drebes

"Wir wollen Neumitglieder werben, die aus Überzeugung in die SPD eintreten, weil sie unsere Grundwerte teilen", sagte der Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation Jusos, Kevin Kühnert, am Dienstag unserer Redaktion. "Wenn diese Mitglieder anschließend unserer Argumentation folgen, die große Koalition abzulehnen, ist daran nichts anrüchig." Die SPD gehöre all jenen, die sich in ihr engagieren. Kühnert fügte jedoch hinzu: "Und wir Jusos werben um langfristiges Engagement, weil die Erneuerung der SPD Zeit brauchen wird und mit der Ablehnung der großen Koalition keineswegs erledigt wäre."

Aus dem Juso-Landesverband Nordrhein-Westfalen war zuvor eine Kampagne unter dem Motto "Ein Zehner gegen die Groko" ins Spiel gebracht worden. "Jetzt gilt es, möglichst viele Groko-Kritiker in die Partei zu holen, damit wir beim Mitgliederentscheid das Ergebnis sprengen können", hatte der NRW-Juso-Chef Frederick Cordes gesagt.

Die Jusos lehnen die Neuauflage einer großen Koalition ab. Über den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sollen am Ende alle mehr als 400.000 SPD-Mitglieder abstimmen. Die Groko-Gegner hoffen, dass sie das Regierungsbündnis mit der Union über den Mitgliederentscheid noch stoppen können.

Seit dem Wochenende verzeichnen mehrere SPD-Landesverbände vermehrt Eintritte, auch NRW: Seit dem Bundesparteitag in Bonn am Sonntag seien bis Dienstagmorgen mehr als 520 Aufnahmeanträge online eingegangen, sagte ein Parteisprecher. Dem stehe "eine Handvoll" Austritte gegenüber. Die Anträge würden jetzt bearbeitet. Über die Aufnahme der neuen Mitglieder entscheiden die jeweiligen Ortsvereine.

(mit Material der Nachrichtenagentur dpa)