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| 08:01 Uhr

Lesbos
Krawalle im Flüchtlingslager auf Lesbos

Lesbos. Nach einem Gewaltausbruch gegen Kurden und Jesiden flüchteten 1000 Menschen aus dem Lager. Frank Nordhausen

Nach einem Gewaltausbruch gegen Kurden und Jesiden flüchteten 1000 Menschen aus dem Lager.

Die Videobilder sind schockierend. Blutüberströmte Menschen, Schwerverletzte, die regungslos am Boden liegen. Am späten Freitagnachmittag war es im berüchtigten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Ägäisinsel Lesbos zu einem beispiellosen Gewaltausbruch gegen Kurden und Jesiden gekommen. Dutzende mit Holzstöcken und Eisenstangen bewaffnete Araber hätten diese als "Ungläubige" beschimpft und beschuldigt, den derzeitigen muslimischen Fastenmonat Ramadan nicht einzuhalten, berichteten kurdische Augenzeugen. Nach Angaben von Flüchtlingshelfern lagen gestern noch vier Schwerverletzte auf der Intensivstation im Krankenhaus der Inselhauptstadt Mytilini.

Nachdem kurdische Medien zunächst von vier Toten berichtet hatten, wurde am Samstag klar, dass zwar rund zwei Dutzend Personen bei den Ausschreitungen in Moria verletzt wurden, sieben davon schwer und vier lebensbedrohlich, aber nicht tödlich. Im Anschluss an die Unruhen, bei denen griechische Polizisten zunächst nicht eingeschritten seien, sind nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Hilfsorganisationen auf Lesbos etwa 900 bis 1000 Menschen aus Angst aus dem Lager nach Mytilini geflüchtet.

In dem Camp, das für maximal 3000 Flüchtlinge ausgelegt ist, harren nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums mehr als 7300 Menschen aus. Ausschreitungen zwischen verschiedenen Flüchtlingsgruppen sind nicht selten in dem völlig überfüllten Lager. Erst im März war es zu massiven Auseinandersetzungen gekommen. Weil die Behörden die Flüchtlinge nicht nach Ethnien oder religiösen Gruppen trennen, treffen dort Menschen aufeinander, die im syrischen Bürgerkrieg auf verschiedenen Seiten gekämpft haben. Frauen erklärten zudem, sie würden mit sexueller Gewalt bedroht.

Die jüngste Krise begann am Freitag, als infolge der Kämpfe im Lager Bereitschaftspolizei und Krankenwagen nach Moria gerufen wurden. Mehr als zehn Migranten wurden anschließend in das Krankenhaus von Mytilini verlegt. Kurdische Medien interviewten am Wochenende Augenzeugen in Moria, die behaupteten, dass zahlreiche Angreifer Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen seien. Sie hätten Kurden und Jesiden bedroht, weil sie in Syrien von der kurdischen YPG-Miliz angegriffen worden seien.

Aus Moria sind seit Freitag nicht nur kurdische Familien, sondern auch zahlreiche Jesiden nach Mytilini geflohen. Ein in Deutschland lebender Jeside, der gute Verbindungen zu Mitgliedern seiner Religionsgemeinschaft in Lesbos hat und anonym bleiben will, sagte, nach seinen Informationen seien Hunderte Araber im Moria-Lager IS-Anhänger und gewännen dort wachsenden Einfluss. Viele seien erst in den letzten Monaten eingetroffen. "Sie verbreiten IS-Ideologie im Camp und hängen IS-Slogans auf. Sie folgen den Anweisungen eines IS-Emirs im Lager. Aber die Behörden wollen die Gefahr nicht sehen."