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Konstantes Rentenniveau belastet Arbeitnehmer

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will das Rentenniveau stabilisieren, aber das kostet.
Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will das Rentenniveau stabilisieren, aber das kostet. FOTO: dpa
Berlin. Eine "Haltelinie" beim Rentenniveau hat Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) angekündigt – eine gute Nachricht für künftige Rentner. Doch die Verbesserungen müssen auch bezahlt werden. Basil Wegener

Ein konstantes Rentenniveau würde Arbeitnehmer nach einer neuen Studie in wenigen Jahren mit zusätzlichen Rentenbeiträgen im dreistelligen Bereich belasten. So würde sich das Nettoeinkommen eines Singles ohne Kinder im Jahr 2025 dann um 138 Euro pro Jahr verringern, wie die Erhebung des arbeitgebernahen Forschungsinstituts IW Köln zeigt. Eine vierköpfige Familie mit zwei zum Durchschnittseinkommen Beschäftigten hätte sogar 280 Euro weniger im Jahr übrig. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hatte die IW-Studie in Auftrag gegeben.

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will eine "Haltelinie" beim Rentenniveau einziehen. Sie räumte ein: "Wenn wir uns darauf verständigen, dass das Rentenniveau stabilisiert werden wird, dann müssen wir auch ehrlich sein: Es wird mehr kosten." Nahles will im November ein Rentenkonzept mit einer konkreten Mindesthöhe des Absicherungsniveaus vorlegen, also des Verhältnisses der Rente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittslohn.

Laut dem jüngsten Rentenversicherungsbericht soll der Beitragssatz bis 2020 bei 18,7 Prozent konstant bleiben, über 20,4 Prozent im Jahr 2025 soll er bis auf 21,5 Prozent im Jahr 2029 steigen. Wenn aber das Rentenniveau stabil bleibt, würde der Beitragssatz laut IW auf 21,5 Prozent im Jahr 2025 und bis 2030 auf 23,5 Prozent steigen.

Würde das Rentenniveau auf 50 Prozent angehoben, wären die Belastungen laut IW noch höher. Eine vierköpfige Familie würde dies zusätzlich mit etwa 980 Euro im Jahr 2030 belasten. Ein kinderloser Single müsste jährlich rund 480 Euro mehr in die Rentenkasse zahlen, als es bei der derzeitigen Gesetzeslage nötig wäre.

INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr sagte: "Auch eine Haltelinie unterhalb des derzeitigen Rentenniveaus würde die Beitragszahler in 20 Jahren zweistellige Milliarden kosten." Tatsächlich von Altersarmut Betroffene hätten von einer Anhebung nichts. Verlässliche "Haltelinien" sichere man nicht mit Gesetzen, sondern mit guter Arbeitsmarktpolitik und durch eine Anhebung des Rentenalters.

Kommentar zum Artikel: Rentenpolitik gegen die Mitte

Zum Thema:
Rentenniveau: Soll das Rentenniveau von 47,8 Prozent bleiben, würde das laut Regierung bis 2045 Beitrags- und Steuerzahler 40 Milliarden Euro im Jahr kosten. CDU-Rentenexperte Karl Schiewerling will das Rentenniveau nicht unter 45 Prozent sinken lassen, die Linke will 53 Prozent. Rentenalter: Das Rentenalter soll bis 2029 auf 67 Jahre steigen. Unter anderem Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist für einen weiteren Anstieg - durch eine Kopplung an die steigende Lebenserwartung. Lebensleistungsrente: Gegen Altersarmut sollen kleine Renten aufgewertet werden. Problem: Viele Bezieher von Kleinrenten leben in gut situierten Haushalten, etwa wenn der Ehemann gut verdient hat. Deshalb sollen laut Nahles Partnereinkommen berücksichtigt werden. Erwerbsminderung: Erst ab 63 ist die Rente wegen Erwerbsminderung aus gesundheitlichen Gründen ohne Abschläge möglich. Vorher werden bis zu 10,8 Prozent abgezogen. Selbstständige: Nahles will die Absicherung der Selbstständigen im Alter stärken. Betriebsrente: Per Gesetz soll die betriebliche Altersvorsorge neuen Schub bekommen: Eigenvorsorge: Die Union will wohl auch die Eigenvorsorge stärken. Diskutiert wird, den Bürgern ein Einheitsprodukt anzubieten. Ost-West-Angleichung: Nahles will die Ostrenten bis 2020 vollständig aufs Westniveau anheben.