ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 07:51 Uhr

Kolumne: Hier in NRW
Verpfuschter Neuanfang

FOTO: Andreas Krebs
Düsseldorf. Wahlniederlagen haben auch ihr Gutes. Das Spitzenpersonal einer Partei kann sich fragen, ob es etwas falsch gemacht hat. Ob es mit seinen Botschaften den Nerv der Wähler getroffen hat. Und ob es besser wäre, zurückzutreten. All diese Fragen haben sie sich auch in der NRW-SPD gestellt - und falsche Antworten gefunden. Kirsten Bialdiga

Die SPD in Nordrhein-Westfalen hat nach der Wahlniederlage ein wertvolles Jahr verloren. Jetzt, da wieder die Besetzung der Spitzenposten ansteht, wird nach bewährter Manier an den Strippen gezogen.

Wahlniederlagen haben auch ihr Gutes. Das Spitzenpersonal einer Partei kann sich fragen, ob es etwas falsch gemacht hat. Ob es mit seinen Botschaften den Nerv der Wähler getroffen hat. Und ob es besser wäre, zurückzutreten. All diese Fragen haben sie sich auch in der NRW-SPD gestellt - und falsche Antworten gefunden.

Anstatt sogleich den Weg für einen klaren Neuanfang frei zu machen, blieb Fraktionschef Norbert Römer, 71, im Amt. An die Spitze der Partei rückte Parteiveteran Michael Groschek, 61. Zwar sahen sich beide von Anfang an als Übergangskandidaten - aber wozu überhaupt ein Übergang? Die NRW-SPD hat dadurch ein Jahr verloren, die Erneuerung kam kaum voran.

Jetzt, da die Besetzung der Spitzenposten wieder ansteht, ziehen Groschek und Römer nach bewährter Manier die Strippen. Hieß es zunächst, dass eine Kommission die Kandidatensuche managen sollte, so sickerten schon Namen durch, bevor diese auch nur einmal offiziell getagt hatte.

Auch sonst alles wie gehabt: Dem Regionalproporz gilt offenkundig mehr Aufmerksamkeit als den Kandidaten. So ist es auch zu erklären, dass ein Hinterbänkler aus Berlin neuer Chef der Landespartei wird: Sebastian Hartmann. Er stammt vom Mittelrhein - das passt exakt in das von Römer und Groschek ausgeklüngelte Gesamt-Tableau.

Trotzdem hatte Römer am Dienstag die Chuzpe zu behaupten, er habe an der Kandidatensuche gar nicht mitgewirkt. Dabei war von Anfang an klar, dass Römers Vertrauter Marc Herter neuer Fraktionschef werden soll. Der warb um seine Kritiker, indem er am Dienstag betonte, dass er nicht nur für eine Region antrete, sondern für alle, wie aus der Sitzung verlautete.

Immerhin hat Herter jetzt einen Gegner: Thomas Kutschaty. Eine kleine Sensation wäre es schon, wenn der Ex-NRW-Justizminister das Rennen machte. Und die Fraktion ihrem Partei-Granden Römer die Gefolgschaft verweigerte.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de