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| 20:45 Uhr

Streit um den Wolf
Koalitionszoff auch um den Wolf

Die Koalition streitet jetzt auch um die Obergrenze beim Wolf.
Die Koalition streitet jetzt auch um die Obergrenze beim Wolf. FOTO: Bernd Thissen
Niesky. Lausitzer Weidetierhalter fordern Eingriff in unkontrolliert wachsende Population. Von Kathleen Weser

(kw) Weidetierhalter fordern die Schutzjagd auf den Wolf und damit ein aktives Populationsmanagement in Deutschland. In der Lausitz seien bereits so viele der Raubtiere beheimatet, dass die Weidetierhaltung kaum noch möglich sei.

Mit etwa 700 geschlechtsreifen und damit reproduktionsfähigen Wölfen beziffert Michael Stübgen (CDU), Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, die Zahl der Wölfe in Deutschland. Den Bundespolitiker und den Ministerpräsidenten Sachsens, Michael Kretschmar (CDU), hat am Dienstagabend in einer emotional aufgeheizten Gesprächsrunde der Unmut von etwa 50 Jägern und Tierhaltern in Kosel bei Niesky getroffen. Denn neben wirtschaftlichen Schäden wachse auch die Angst vor dem Wolf, der den Ortschaften immer näher komme. Die Sicherheit der Bevölkerung werde zunehmend gefährdet.

Mit etwa 1000 Tieren gibt der Jagdverband die Größe der deutschen Wolfspopulation an. Staatssekretär Stübgen hält das für realistisch. Denn die Population vermehre sich jährlich um etwa ein Drittel. „Damit sind die Voraussetzungen für ein aktives Wolfsmanagement praktisch gegeben“, sagt er. Doch formal rechtlich sei das Kurzhalten der heimischen Wildart durch Abschüsse nach europäischem Artenschutz nur möglich, wenn dieser „günstige Erhaltungszustand“ auch festgestellt ist. Darüber streiten das Naturschutz- und das Landwirtschaftsressort im Bund derzeit noch heftig. Und das Bundesnaturschutzgesetz, das beim Schutz des Wolfes den europäischen Rahmen noch verschärft, müsste geändert werden. Das Ziel sei im Koalitionsvertrag zwar verankert – die SPD aber sträube sich hartleibig.