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| 06:31 Uhr

Wahl der Merkel-Nachfolger
Kleine Anleitung für den CDU-Parteitag

Das Podium ist bereitet. Die CDU kann heute in Hamburg in die Nach-Merkel-Ära starten.
Das Podium ist bereitet. Die CDU kann heute in Hamburg in die Nach-Merkel-Ära starten. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Hamburg. In Hamburg wird heute die neue CDU-Parteiführung nach Angela Merkel gewählt. Wie läuft das ab und was muss man über die Nachfolger wissen?

Wann geht es los ?

Offiziell eröffnet wird der Parteitag heute gegen halb elf von der Noch-Vorsitzenden Angela Merkel. Danach sind Formalitäten zu erledigen und Grußworte zu halten. Nach Plan tritt Merkel gegen halb zwölf zu ihrer großen Abschiedsrede ans Mikrofon.

Und wann muss man den Fernseher für das Wahldrama einschalten?

Das hängt davon ab, wie lange Merkel redet (vermutlich etwa eine Stunde), wie viel Applaus sie bekommt (mindestens zehn Minuten, wahrscheinlich mehr) und wie viele CDU-Mitglieder anschließend etwas sagen wollen (viele). In der CDU wurde zuletzt damit gerechnet, dass der Tagesordnungspunkt „Wahl des oder der Parteivorsitzenden“ gegen zwei Uhr beginnt.

Wo kann alles verfolgt werden?

Der Sender Phoenix beispielsweise hat angekündigt, den Parteitag heute und morgen live zu übertragen. Viele große Nachrichtenportale richten Liveticker ein. Das Stichwort im Kurzmitteilungsdienst Twitter lautet #cdupt18.

Wann steht der neue Name fest?

Vermutlich am späteren Nachmittag. Das hängt wiederum davon ab, wie viele Kandidaten tatsächlich antreten, wie viel Redezeit die Bewerber jeweils bekommen (geplant waren zuletzt 20 Minuten) und ob zwei Wahlgänge nötig sind, weil niemand die erforderliche Mehrheit gleich auf Anhieb bekommt.

Kann passieren, dass noch mehr Kandidaten als die drei bekannten antreten?

Auf dem Parteitag selbst kann jeder Delegierte entweder sich selbst oder ein anderes CDU-Mitglied für den Vorsitz vorschlagen. Das muss nur rechtzeitig (bis heute Mittag) angemeldet werden. Der hessische Arzt und Unternehmer Andreas Ritzenhoff beispielsweise ist fest entschlossen, ins Rennen zu gehen. Ursprünglich hatten sich sogar mal rund ein Dutzend weitere Interessenten gemeldet. Tatsächlich in Hamburg antreten werden die meisten von ihnen aber nicht. Die rund tausend Delegierten sind an keinerlei Vorgaben gebunden, und wie sie sich in Hamburg am Ende entscheiden, ist tatsächlich offen. Deswegen hängt auch viel davon ab, wie gut sich die Kandidaten beim Parteitag selbst präsentieren.

In Umfragen liegt Kramp-Karrenbauer doch vorne. . .

Das heißt aber nicht viel. Befragt wurden nämlich Wähler und nicht Delegierte. Und diese eigens für Parteitage gewählten CDU-Mitglieder sind eine Mischung aus Abgeordneten im Bundestag oder in Landtagen, aus Bürgermeistern, Parteifunktionären und einfachen Mitgliedern. Sie entscheiden nach etwas anderen Kriterien als normale Bürger, zum Beispiel: Mit wem schärfen wir unser Profil? Wer hält die Partei zusammen? Mit wem gewinnen wir Wahlen?

Wie wird in Hamburg abgestimmt?

Es gibt tausend gedruckte Wahlzettel und tausend Tisch-Wahlkabinen, also aufklappbaren Papp-Sichtschutz, hinter dem die Delegierten ganz geheim ihr Kreuz machen können.

Wie viel verdient ein Parteichef?

Der Vorsitz der CDU Deutschlands ist ein Ehrenamt, also nicht bezahlt. Für den Millionär Merz dürfte das kein Problem sein, für den Minister und Bundestagsabgeordneten Jens Spahn auch nicht. Kramp-Karrenbauer (die zuletzt ein Gehalt als CDU-Generalsekretärin bekam) hat dagegen keine weitere Einkommensquelle, sie würde dann von der Rente ihres Mannes Helmut leben. Allerdings war sie viele Jahre Landesministerin und Regierungschefin im Saarland mit entsprechendem Einkommen (auf das Übergangsgeld verzichtete sie). Und womöglich fließt ja eines Tages auch ein Kanzlergehalt.

Kriegt Merkel zum Abschied ein Geschenk?

Das Thema dürfte in der CDU für einiges Kopfzerbrechen gesorgt haben. Denn es gibt nach 18 Jahren Parteispitze natürlich einigen Anlass zum Danken. Allerdings ist Merkel nicht der Typ, der sich gerne auf offener Bühne feiern und beschenken lässt. Zu ihren runden Geburtstagen beispielsweise organisierte sie sich lieber Vorträge – von einem Hirnforscher und von einem Historiker.

Für Angela Merkel spielte man auf Parteitagen mal „Angie“ von den Rolling Stones. Gibt es schon Songs für den Neuen oder die Neue?

Nein, doch Vorschläge gibt es schon. „Money, Money, Money“ von Abba würde zum Wirtschaftsexperten und Millionär Friedrich Merz passen, so wie Florian Silbereisens „Du schaffst das schon“ zu AKK. Für Jens Spahn könnte es eine Trosthymne geben: von den Stones: „Time is on my Side“.

Was passiert auf dem Parteitag sonst noch?

Neben der Wahl stehen ein paar höchst interessante Entscheidungen an. Zur Diskussion und zur Abstimmung gestellt werden: Abschaffung des Soli, mehr Geld für die Bundeswehr, Unterstützung für den UN-Migrationspakt, Kampf gegen den Wolf – und der Vorschlag, elektronische Wahlen im Statut zu verankern.