Schon bei einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Ifo-Instituts kam heraus, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland den Flüchtlingen wegen schlechter Qualifizierung nicht einmal Hilfsarbeiter-Jobs zutrauen würde. Bei den Gewerkschaften denkt man offenbar ähnlich. "Ich kann mir vorstellen, dass wir für eine gewisse Zeit einen sozialen Arbeitsmarkt schaffen für gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten, die ansonsten nicht erledigt würden", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann am Montag in einem Interview. Es müsse sich aber um sozialversicherungspflichtige Jobs mit einem Mindestlohn handeln, so Hoffmann.

Über das tatsächliche Qualifikationsniveau der Neunankömmlinge gibt es bislang kaum gesicherte Erkenntnisse. Experten gehen aber davon aus, dass nur etwa jeder Zehnte über eine akademische Ausbildung verfügt. Auch weiß niemand genau, wie groß das Ausmaß der Arbeitslosigkeit unter den Flüchtlingen sein wird.

Die aktuelle Statistik gibt dafür lediglich vage Hinweise. Denn sie beruht nur auf 15 Asylzugangsländern, aus denen seit 2005 die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Erfasst sind dabei jedoch auch Personen, die schon gar nicht mehr als Flüchtlinge gelten. Im November zählte die Bundesarbeitsagentur rund 161 400 arbeitslose Personen aus diesen Staaten. Das waren 6,1 Prozent der Arbeitslosen insgesamt.

Fachleute warnen indes davor, der mutmaßlich stark verbreiteten Bildungsferne unter den Flüchtlingen mit einem gesonderten Arbeitsmarkt begegnen zu wollen. Entweder handele es sich um Jobs in Konkurrenz zu regulären Beschäftigungsverhältnissen oder sie seien sinnlos, erläuterte der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Karl Brenke, mit Blick auf die DGB-Forderung. "Es gibt also praktisch keine Jobs, die man losgelöst vom regulären Arbeitsmarkt anbieten kann."

Obendrein sinke die Zahl der einfachen Jobs in Deutschland immer weiter. Die Alternative könne folglich nur in einer ordentlichen Ausbildung bestehen, um am Arbeitsmarkt unterzukommen, sagte Brenke der RUNDSCHAU. "Die Flüchtlinge dürfen nicht in irgendwelchen Sondermaßnahmen geparkt werden, sondern müssen vor allem die betriebliche Praxis kennenlernen", sagte auch die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer. Eine geeignetes Mittel dazu seien Einstiegsqualifizierungen, die mit einer Sprachausbildung kombiniert werden müssten, so Pothmer.

Durch diese Maßnahme, die einst im Rahmen des Ausbildungspaktes eingeführt wurde, sollen Jugendliche mit schlechten Bildungsabschlüssen zu berufsorientierenden Praktika und am Ende zu einem betrieblichen Ausbildungsvertrag kommen.

Wegen der mittlerweile entspannten Lage auf dem Lehrstellenmarkt haben die Einstiegsqualifizierungen stark an Bedeutung verloren. Im Vorjahr gab es nur noch knapp 11 300 entsprechende Maßnahmen. 2009 waren es fast drei Mal so viele.

Nach Einschätzung von Ulrich Walwei, Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), sollten gemeinnützige Tätigkeiten für Flüchtlinge nur dann in Betracht kommen, wenn andere Mittel zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt, angefangen von der Sprachausbildung bis zur beruflichen Qualifizierung, nicht ausreichen. "Eine vorrangige Maßnahme für Flüchtlinge wäre das auf keinen Fall", so Walwei zur RUNDSCHAU. "Da dürfen die Neuankömmlinge nicht anders behandelt werden als einheimische Arbeitssuchende."

Zum Thema:
Die vorübergehend angebotenen Sprachkurse der Bundesagentur für Arbeit wurden bisher von rund 88 000 Flüchtlingen genutzt, wie eine Sprecherin der Behörde (BA) bestätigte. "Ich bin ehrlicherweise im Positiven überrascht über die große Zahl", zitiert die "Süddeutsche Zeitung" BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Anders als bei den vom Bundesamt für Migration (BAMF) angebotenen Inte grationskursen können an den Bundesagentur-Sprachkursen auch bislang nicht anerkannte Asylbewerber teilnehmen.