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| 08:24 Uhr

Wer wird Bundesregierung?
Kanzler-Casting mit vielen Fragezeichen

Deutschland sucht den Super-Kanzler. Wer bildet die künftige Bundesregierung?
Deutschland sucht den Super-Kanzler. Wer bildet die künftige Bundesregierung? FOTO: Michael Kappeler / dpa
Berlin. Deutschland ist am Ende der Woche mit dem krachenden Scheitern der Jamaika-Sondierungen nicht wirklich weiter bei der Suche nach einer neuen Bundesregierung. Wer hat die besten Karten beim Kanzler-Casting? Wir machen den Kurz-Check mit einem Augenzwinkern: Von Bodo Baumert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, derzeit so etwas wie die Heidi Klum beim deutschen Regierungs-Casting, hat in den vergangenen Tagen Gespräche mit allen Parteien geführt. Die Aufgabe: Eine Konstellation finden, sie trotz schwieriger Ausgangslage eine Regierungsbildung ermöglicht. So sieht es bei den Kandidaten derzeit aus:

Die SPD: Die alte Dame mit dem Bartträger an der Spitze war ja praktisch schon in der ersten Runde am Wählerwillen gescheitert. Durch Steinmeier haben sie jetzt aber doch noch ein Foto bekommen – um in der Casting-Sprache zu bleiben. Partei-Chef Schulz blockt zwar weiter ab, die Parteigremien sind aber zumindest für Gespräche offen. Vielleicht läuft es auf eine von der SPD unterstützte CDU-Minderheitsregierung hinaus. Vielleicht aber doch noch auf eine GroKo, falls Schulz bis zum nächsten Parteitag zu Fall gebracht wird. Hamburgs Bürgermeister Scholz scharrt schon mit den Hufen. Sehen wir ihn im Re-Call?

Die CDU: Noch-Kanzlerin Angela Merkel schweigt und wartet ab. Sonderlich begeistert scheint sie nicht von der Idee einer Minderheitsregierung. Lieber wäre es ihr, die SPD würde einknicken und doch noch als Junior-Partner zu ihr zurückkehren, notfalls auch die vorlauten Liberalen mit den Grünen. Mit ihrer bisherigen Sondierungsarbeit scheint die CDU jedenfalls zufrieden und hat die wichtigsten Punkte schonmal zusammengefasst – als Vorlage für die nächste Sondierung? Tendenz: An Merkel führt kein Weg vorbei.

Die CSU: Der große Showdown um die Parteispitze ist Donnerstagnacht ausgefallen. Stattdessen hat sich Noch-Chef Horst Seehofer in eine Kommission gerettet. Die Altvorderen Steiber und Waigel sollen ihn nun beraten, wie es mit der Parteispitze weitergehen soll. Damit hat sich Seehofer Zeit erkauft – für eine Flucht nach Berlin? Vielleicht sieht er sich schon als starken zweiten Mann einer Unions-Minderheitsregierung. Oder gar als Kanzlerkandidat, wenn Merkel bei Neuwahlen nicht mehr antreten würde?

Die Grünen: Sie hatten sich so eine Mühe mit den Sondierungen gegeben. Und waren umso enttäuschter vom schnöden Abgang der FDP. Was nun? Die Grünen wollen sich am Samstag bei einem Bundesparteitag aussprechen. Klare Festlegungen hat der Parteivorstand bisher vermieden. Einige wollen Neuwahlen, andere eine schwarz-grüne Minderheitsregierung. Anton Hofreiter hat zudem demonstrativ betont, dass man ein Jamaika-Bündnis weiter sondieren würde, wenn die FDP zurück an den Verhandlungstisch käme.

Die FDP: Deren Allein-Unterhalter Christian Lindner schließt solche Überlegungen kategorisch aus. Auch nach Neuwahlen will er über Jamaika nicht mehr reden. Eine Minderheitsregierung mit der Union oder eine Duldung einer Unions-Regierung schließt Lindner auch aus. Die FDP habe keinen Grund, Neuwahlen zu fürchten. Sicher?

Die AfD: Die Rechtsaußen schauen sich das Spiel der anderen in Ruhe an. Mit ihnen will eh keiner reden. Neuwahlen könnten ihnen am ehesten in die Karten spielen. Oder nicht? In jüngsten Umfrage verliert die AfD Stimmen.

Die Linke: Sie ist bei den Koalitionsgesprächen auch außen vor, oder doch nicht? Das Cottbuser SPD-Vorstandsmitglied Maja Wallstein hat für den Parteitag der Sozialdemokraten einen Antrag gestellt, laut dem die Partei Sondeirungen für eine „Große Ampel“ aufnehmen soll, also rot-rot-gelb-grün. Was Christian Lindner wohl dazu sagt?