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| 06:31 Uhr

Vancouver
Kanada bekommt die größte Marihuana-Plantage der Welt

Ab dem 1. Juli ist der Cannabis-Konsum legal. Die Droge soll dann in großen Mengen auch unter staatlicher Aufsicht produziert werden. Dagmar Hildebrand

Ab dem 1. Juli ist der Cannabis-Konsum legal. Die Droge soll dann in großen Mengen auch unter staatlicher Aufsicht produziert werden.

Die Hochsicherheitsanlage in Langley vor den Toren von Vancouver an der kanadischen Pazifikküste ist eine verbotene Zone. An den Metallgitterzäunen mit sehr viel Stacheldraht hängen Überwachungskameras. Fotografieren ist verboten, Polizisten fahren Streife, und die wenigen Ein- und Ausgänge der Anlage darf man nur nach genauer Überprüfung passieren: Willkommen in der größten Marihuana-Plantage der Welt.

Hinter den Zäunen sind auf einer Grundfläche von mehr als 100.000 Quadratmetern endlose Reihen von Gebäuden mit kleinen Lüftungsschlitzen erkennbar. Im Inneren der Gebäude ist Platz für 350.000 Marihuana-Pflanzen. Über ihnen sind gigantische Lampen und Wärmestrahler angebracht, die mehr Strom verbrauchen als die Bewohner einer kompletten Großstadt. Immerhin, der Strom kommt aus Wasserkraft.

"Wir sind eine staatlich genehmigte und überprüfte Anlage", erklärt Jordan Sinclair, Sprecher von "Canopy Growth". Die Firma ist der Betreiber der Anlage, deren Aktien durch die Decke gehen, seitdem die Regierung in Ottawa die Legalisierung von Hasch angekündigt hat.

"Vorher haben wir hier mit sehr viel weniger Sicherheitsvorkehrungen ganz ordinär Gemüse angebaut", sagt Sinclair. Das wird jetzt aus den benachbarten USA importiert, die Cannabis-Produktion ist lukrativer. Unlängst wurden mit einem Frachtflugzeug 100.000 kleine Hanfpflänzchen aus einer staatlich reglementierten Zuchtstation in der Nähe von Ottawa nach Vancouver geflogen. Und von dort in gepanzerten Transportern unter Polizeischutz nach Langley gebracht. Zum Verhindern von Selbstbedienung.

Im späten Frühjahr sollen die Sträucher erntereif sein. Gerade rechtzeitig zur geplanten großen Cannabis-Freiheit am 1. Juli. Pro Jahr sollen mehr als 40 Tonnen geerntet werden. Aber die erwartete Nachfrage im ganzen Land kann die Anlage in Langley nicht befriedigen. Deshalb soll in den kommenden Monaten ganz in der Nähe eine noch größere Plantage entstehen.

Hasch aus den staatlich regulierten Anlagen soll im Gegensatz zum ebenfalls künftig legalen Privatanbau frei von schädlichen Pflanzenschutzmitteln sein und einen genau eingehaltenen Gehalt an THC haben - also jener Substanz, die den Rauch verursacht. Aber auch die parlamentarischen Befürworter der Freigabe räumen ein, dass Cannabis-Konsum natürlich nicht so gesund sei wie Spinat-Verzehr.

Die Regierung wird deshalb ab Herbst auch regelmäßig Proben aus den Abwässern von 20 kanadischen Städten und Bezirken untersuchen lassen. In denen lassen sich die von Konsumenten ausgeschiedenen Spuren von THC und anderen Stoffen nachweisen. Damit wollen die Wissenschaftler hochrechnen, wie viel Cannabis im Land konsumiert wird und ob die Freigaberegelung möglicherweise doch wieder etwas eingeengt werden muss.

Auch sonst ist die kanadische Haschfreiheit nicht grenzenlos. Polizeibehörden im ganzen Land schaffen derzeit Messgeräte für Verkehrskontrollen an. Denn in Kanada wird Fahruntüchtigkeit durch Cannabis genauso eingestuft und be-straft wie Trunkenheit am Steuer. "Verkehrsopfern und auch uns ist doch völlig gleichgültig, ob jemand bekifft oder besoffen ist", erklärte ein Sprecher der Royal Canadian Mounted Police: "Freiheit hat auch etwas mit Verantwortung zu tun."