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| 19:34 Uhr

Hersteller sollen Entsorgung mitzahlen
Kampf gegen giftigen Kippen-Müll

 Ein Mann hält auf einem Spielplatz eine Zigarette in der Hand. Umweltverbände und auch Politiker fordern in Deutschland strengere Verbote, damit Kippen künftig nicht mehr in Kinderhände und -münder gelangen. Zudem will die Bundesumweltministerin Hersteller künftig an der Entsorgung beteiligen.  Foto: Peter Endig/dpa
Ein Mann hält auf einem Spielplatz eine Zigarette in der Hand. Umweltverbände und auch Politiker fordern in Deutschland strengere Verbote, damit Kippen künftig nicht mehr in Kinderhände und -münder gelangen. Zudem will die Bundesumweltministerin Hersteller künftig an der Entsorgung beteiligen. Foto: Peter Endig/dpa FOTO: dpa / Peter Endig
Berlin. Zigarettenstummel sind giftig für Kinder und Umwelt. Schweden ahndet das Entsorgen mittlerweile schärfer. Auch in Deutschland gibt es Fürsprecher für härtere Regeln.

Geht es nach dem neuesten Vorstoß von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), dann sollen Hersteller von Wegwerfartikeln wie Zigaretten oder Kaffeebechern in Zukunft die Kosten fürs Sauberhalten von Straßen und Parks mittragen.

Bis 2021 sollen laut Schulze die gesetzlichen Grundlagen für eine solche Regelung geschaffen sein. Ziel sei nicht nur, die Kommunen finanziell zu entlasten, sondern auch ein Umdenken in der Gesellschaft anzuregen. „Unachtsames Wegwerfen an öffentlichen Orten, das greift wieder mehr um sich“, sagte Schulze.

Die Grundlage für die sogenannte Herstellerverantwortung hatte die EU im Frühjahr geschaffen. Die kommunalen Unternehmen kündigten an, nun über ein Jahr repräsentativ zu untersuchen, welchen Anteil solche Wegwerfprodukte und Zigaretten am Müll im öffentlichen Raum haben. Während in Deutschland noch diskutiert wird, sind andere Länder, was etwa den Umgang mit Zigaretten-Kippen betrifft, schon viel weiter.

In Schweden gibt es seit rund fünf  Wochen ein verschärftes Rauchverbot. „Schon jetzt gibt es deutlich weniger Kippen hier“, sagt ein Vater, während sein Sohn auf dem Spielplatz im Stadtpark im schwedischen Lund eine Rutsche hinuntersaust. Auch in Eingangs- und Außenbereichen von Gaststätten, an Bushaltestellen, Bahnsteigen oder Sportstätten gilt das verschärfte Rauchverbot.

Davon können deutsche Eltern nur träumen: „Es ist echt nervig, weil ich meinem Einjährigen permanent Kippen aus dem Mund hole. Ich kann ihn quasi nicht aus den Augen lassen“, berichtet eine Hamburgerin. Auch in kleineren Städten und Dörfern gehören Kippen auf Spielplätzen zum Alltag – hinterlassen von Erwachsenen und Jugendlichen, die Spielplätze ebenfalls gern als Treffpunkte nutzen.

Die Verbotsregelungen hierzulande gleichen einem Flickenteppich. „Brandenburg, Bremen, NRW und das Saarland sowie verschiedene Kommunen verbieten das Rauchen auf Spielplätzen“, berichtet Katrin Schaller, Expertin für Ta­bakkontrolle vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Auch in Berlin soll das Qualmen auf Spielplätzen verboten werden. Doch wann, ist unklar. Eine Gesetzesnovelle dazu liegt seit fast einem Jahr im Parlament.

„Grundsätzlich wäre ein bundesweites Rauchverbot auf Spielplätzen aus mehreren Gründen sinnvoll“, sagt Schaller. Es schütze vor Passivrauchen und unterstütze die Vorbildfunktion der Eltern. Vor allem aber helfe es, Kippenmüll zu vermeiden, der vor allem für Kleinkinder gefährlich sei.

Sie können sich vergiften, wenn sie die Zigarettenkippen in den Mund nehmen. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können die Folge sein. Beim Giftnotruf Berlin gehen jährlich im Schnitt rund 900 Anrufe ein, weil Kinder Zigaretten oder Zigarettenkippen verschluckt hatten.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) unterstützt ein generelles, bundesweites Rauchverbot auf Spielplätzen. Allein in Deutschland werden 74,5 Milliarden Zigaretten im Jahr und 204 Millionen Stück am Tag verbraucht.

Viele der mit krebserregenden Stoffen belasteten Kippenstummel werden vor allem im Stadtgebiet, in Parks oder auf Spielplätzen achtlos weggeschnippt.

Neben der Gefahr für Kinder wird die Umwelt durch die Zigarettenreste mit freigesetzten krebserregenden Chemikalien und Schwermetallen stark belastet. Auch die FDP hat sich für eine Verschärfung der Regeln ausgesprochen. „Rauchen muss überall dort verboten sein, wo Menschen nicht oder nur schwer ausweichen können“, sagte der drogenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Wieland Schinnenburg, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die DUH fordert, dass unter den Bundesländern einheitlich abgestimmte abschreckende Bußgelder in Höhe von mindestens 200 Euro für das illegale Entsorgen in der Landschaft eingeführt werden sowie ein Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen. Auch Präventivmaßnahmen wie ein komplettes Werbeverbot für Zigaretten sollten umgesetzt werden, um den Anfall von gebrauchten Zigarettenfiltern von vornherein zu verhindern.

Standardzigarettenfilter bestehen aus dem Kunststoff Celluloseacetat. Es kann bis zu 15 Jahre dauern, bis sie sich zersetzen; in Salzwasser bis zu hundert Jahre. Neben Nikotin und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen werden Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium oder Chrom durch Regen aus den Filtern in die Umwelt gespült. Eine Zigarette kann bis zu 60 Liter Wasser verseuchen und Tiere schwer schädigen.

 Ein Mann hält auf einem Spielplatz eine Zigarette in der Hand. Umweltverbände und auch Politiker fordern in Deutschland strengere Verbote, damit Kippen künftig nicht mehr in Kinderhände und -münder gelangen. Zudem will die Bundesumweltministerin Hersteller künftig an der Entsorgung beteiligen.  Foto: Peter Endig/dpa
Ein Mann hält auf einem Spielplatz eine Zigarette in der Hand. Umweltverbände und auch Politiker fordern in Deutschland strengere Verbote, damit Kippen künftig nicht mehr in Kinderhände und -münder gelangen. Zudem will die Bundesumweltministerin Hersteller künftig an der Entsorgung beteiligen. Foto: Peter Endig/dpa FOTO: dpa / Peter Endig