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| 09:40 Uhr

Berlin/Düsseldorf
Jeder dritte Fahrschüler fällt durch

Berlin/Düsseldorf. Immer weniger Prüflinge schaffen den Führerscheintest. Das Bundesverkehrsministerium führt die Entwicklung auf mehr ausländische Fahrschüler zurück. Fahrlehrer nennen auch andere Ursachen. Kirsten Bialdiga, Jan Drebes und Marlen Keß

Immer weniger Prüflinge schaffen den Führerscheintest. Das Bundesverkehrsministerium führt die Entwicklung auf mehr ausländische Bewerber zurück. Fahrlehrer nennen auch andere Ursachen.

Immer mehr Fahrschüler fallen durch die Führerscheinprüfung. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts scheiterte in Nordrhein-Westfalen mehr als jeder dritte Prüfling, 35 Prozent, im vergangenen Jahr im theoretischen Teil. Das waren 6,7 Prozent mehr als 2016. Etwas besser waren die Ergebnisse im praktischen Teil: Dort fielen 2017 knapp 29 Prozent der Fahrschüler durch, 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Der ADAC begründete dies mit der zunehmenden Komplexität im Straßenverkehr und gestiegenen Anforderungen.

Nordrhein-Westfalen liegt damit im Bundesländervergleich bei den theoretischen Prüfungen an fünftbester Stelle, im praktischen Bereich auf Rang sieben. Bundesweit fielen im Schnitt 37 Prozent der Fahrschüler durch die theoretische Prüfung, das ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Am Praxisteil scheiterten im vergangenen Jahr 28 Prozent der Schüler, zuvor waren es 26 Prozent gewesen. Der Statistik zufolge bestanden in den Stadtstaaten besonders viele Fahranfänger nicht die praktische Prüfung. Weit vorn liegt hier Hamburg mit einer Durchfallquote von 41,6 Prozent, gefolgt von Bremen mit 38,8 Prozent.

Auffällig ist im Vergleich der Bundesländer auch, dass der Osten den höchsten Anteil nicht bestandener Theorieprüfungen hat. Die ostdeutschen Bundesländer einschließlich Berlin belegen hier die schlechtesten sechs Plätze. Sachsen-Anhalt hat mit knapp 45 Prozent nicht bestandener Prüfungen die höchste Durchfaller-Quote. Fachleute führen dies aber auch auf mögliche Unterschiede bei der statistischen Erfassung der Daten zurück.

Das Bundesverkehrsministerium sieht den Anstieg darin begründet, dass in jüngster Vergangenheit vermehrt Inhaber ausländischer Führerscheine sich direkt zur Prüfung anmeldeten, um in Deutschland fahren zu dürfen. Häufig verfügten die Personen aber nicht über die erforderliche Prüfungsreife, hieß es. Dies solle künftig dadurch vermieden werden, dass auch diese Personengruppe nur dann durch einen Fahrlehrer zur Prüfung begleitet werden darf, wenn dieser überzeugt ist, dass der Prüfling über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt. "Eine entsprechende Änderung der Fahrschüler-Ausbildungsordnung ist in Vorbereitung", teilte das Ressort von Minister Andreas Scheuer (CSU) mit.

Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Nordrhein, teilt diese Einschätzung. Zudem würden Sprachprobleme eine Rolle spielen, sagte er. Zwar könne die theoretische Führerscheinprüfung mittlerweile in zwölf Sprachen abgelegt werden, darunter auch in Hocharabisch. Doch gebe es im Arabischen so viele unterschiedliche Dialekte, dass den Prüflingen damit nicht immer geholfen sei. Andere Fahrlehrer wie Michael Blandow von der Krefelder Fahrakademie Nilges glauben eher, dass schlicht zu wenig für die Prüfung gelernt werde. Frank Schulten, Inhaber einer Weseler Fahrschule, meint, dass das Bedürfnis, einen Führerschein zu erwerben, insgesamt zurückgeht. Der TÜV Rheinland führt die hohen Durchfallquoten zudem auf steigende Anforderungen insbesondere im theoretischen Teil der Prüfungen zurück.

Verbandschef Bartels würde es daher befürworten, wenn Fahrschüler noch früher als bisher mit Fahrstunden beginnen könnten, um schon mit 16 Jahren den Führerschein zu machen und dann bis zum 18. Geburtstag in Begleitung eines Erwachsenen zu fahren: "Jeder Tag Begleitphase mehr ist ein Sicherheitsgewinn", sagte er.