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| 10:45 Uhr

Streit um „Aquarius“
Italien bestellt französischen Botschafter ein

Der französische Botschafter muss in Rom zum Rapport. Italiens Außenminister hat ihn wegen des Streits um das Flüchtlingsrettungsschiff „Aquarius“ einbestellt.

Nach den kritischen Aussagen von Präsident Emmanuel Macron über die italienische Hilfsverweigerung für das Schiff „Aquarius“ hat Italien den französischen Botschafter einbestellt. Das teilte das italienische Außenministerium am Mittwoch mit und verwies dabei explizit auf die Aussagen Macrons zu dem Rettungsschiff.

Der französische Präsident hatte der neuen italienischen Regierung am Dienstag Zynismus und Verantwortungslosigkeit vorgeworfen, weil es dem Rettungsschiff mit 629 Flüchtlingen und Migranten an Bord die Einfahrt in ihre Häfen verweigert hatte. Frankreich wolle keinen Präzedenzfall, der es manchen europäischen Ländern erlaube, gegen internationales Recht zu verstoßen und sich auf andere EU-Staaten zu verlassen.

„Wenn ein Schiff näher an der französischen Küste wäre, könnte es natürlich an der französischen Küste anlegen“, wurde Macron von Regierungssprecher Benjamin Griveaux zitiert. Letztlich hatte sich Spanien bereit erklärt, die „Aquarius“ in den Hafen von Valencia einlaufen zu lassen.

Am Mittwoch zeigte sich allerdings, dass Italien sehr wohl weiter Flüchtlinge und Migranten aufnimmt: Ein Schiff der italienischen Küstenwache mit mehr als 900 Zuwanderern an Bord ging am Morgen in Sizilien vor Anker. Die „Aquarius“ der Hilfsorganisation SOS Mediterranée befand sich dagegen weiter auf dem Weg nach Valencia, was den politischen Kurswechsel Italiens zeigt: Ausländische Rettungsschiffe werden abgewiesen, italienische Schiffe dagegen in die Häfen gelassen.

(wer/dpa)