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| 21:25 Uhr

Feiern dauern 70 Stunden
Israelis feiern 70 Jahre Unabhängigkeit des jüdischen Staates

Exklusiv | Tel Aviv. Israel hat mit den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des Staates begonnen. Doch von Frieden ist das Heilige Land immer noch weit entfernt.

Israel hat mit den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des Staates begonnen. Doch von Frieden ist das Heilige Land immer noch weit entfernt.

Israel hat am Mittwochabend mit den Feiern zum 70. Unabhängigkeitstag des jüdischen Staates begonnen. Bei einer zentralen Zeremonie auf dem Herzl-Berg in Jerusalem wurden Fackeln entzündet, unter anderen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Anschließend sollten Menschen an mehreren Orten landesweit und in jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt das Lied "Hallelujah" singen. Mit dem Lied hatte Israel 1979 den Eurovision Song Contest gewonnen.

Die Feiern dauern 70 Stunden bis Samstagabend. Während des Sabbats von Freitagabend an gibt es eine Ruhepause. Das Motto der Feierlichkeiten lautet "Erbe der Innovation". Es gibt unter anderem Partys auf insgesamt 70 Kilometern Strand, Straßenfeste wie in Tel Aviv und Jerusalem sowie Feuerwerke. An einer Flugshow am Donnerstag nehmen erstmals auch Luftwaffen anderer Länder teil.

Ministerpräsident Netanjahu und Präsident Reuven Rivlin dankten US-Präsident Donald Trump für die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt im Dezember. Die USA wollen im Zuge der Anerkennung im Mai die Botschaft in Jerusalem eröffnen. Diesen Plan bekräftigte Trump am Mittwoch auf Twitter. "Wir haben nirgendwo bessere Freunde", schrieb Trump und gratulierte Netanjahu und dem israelischen Volk.

Katastrophe für Palästinenser

Der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 ausgerufen. Staatsgründer David Ben Gurion verlas in Tel Aviv die Unabhängigkeitserklärung. Israel feiert sein 70. Jubiläum allerdings nach dem hebräischen Kalender, deshalb beginnen die Feierlichkeiten schon am Abend des 18. April.

In Israel leben nach aktuellen Angaben des Zentralen Israelischen Statistikbüros 8,8 Millionen Menschen. Davon sind 6,6 Millionen Juden (75 Prozent) und 1,8 Millionen Araber (21 Prozent). Zuletzt hatte das Büro von rund 170.000 Christen gesprochen - rund zwei Prozent der Bevölkerung. Die meisten der Christen sind Araber.

Für die Palästinenser bedeutet Israels Freudentag eine Katastrophe, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie begehen das Ereignis seit Ende März mit sechswöchigen Protesten, die bis zum 15. Mai dauern sollen. Dabei gab es schon viele Tote und Verletzte.

Gedenken an Opfer des Nahost-Konflikts

Die Lage im Heiligen Land ist zusätzlich angespannt seit Trumps Anerkennung von Jerusalem als Israels Hauptstadt. Im Dezember kam es zu blutigen Protesten in den Palästinensergebieten. Die Palästinenser fordern Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen zukünftigen Staat Palästina.

Bereits am Dienstagabend hatten Tausende Israelis und rund 100 Palästinenser gemeinsam ihrer Angehörigen gedacht, die im Konflikt beider Völker ums Leben gekommen sind. Israelische Medien berichteten am Mittwoch, an der alternativen Gedenkzeremonie in Tel Aviv hätten rund 8000 Menschen teilgenommen. Der israelische Schriftsteller David Grossman, der im Libanon-Krieg seinen Sohn Uri verloren hatte, rief zu einer Friedenslösung auf. Dutzende rechtsextreme Israelis demonstrierten am Rande der Zeremonie, die in Israel heftige Kritik ausgelöst hatte.

Am Mittwochvormittag heulten in ganz Israel zwei Minuten lang die Sirenen im Gedenken an mehr als 23.600 Kriegsopfer und mehr als 4000 Terroropfer.

(wer)