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| 09:40 Uhr

Jerusalem/Damaskus
Israel verschärft Ton gegen Iran

Jerusalem/Damaskus. Der Iran rüstet in Syrien militärisch auf - zum Missfallen des Erzfeindes Israel.

Premier Netanjahu beschuldigt Teheran, Atomwaffen geplant zu haben. In Syrien gibt es Raketenangriffe.

Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran verschärft sich. Israel verfügt nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über Beweise für ein früheres Kernwaffenprogramm des Iran. Sein Land habe etwa "eine halbe Tonne" geheimer Dokumente erhalten, die belegten, dass der Iran gelogen habe, sagte Netanjahu in einer Fernsehansprache. In einer "großartigen Geheimdienstleistung" habe Israel kürzlich 55.000 Dokumente und 183 CDs aus dem iranischen "Nuklear-Archiv" entdeckt. Sie zeigten, dass der Iran mit seinem "Projekt Amad" den Bau einer Waffe angestrebt habe.

Der Iran hat stets betont, sein Atomprogramm habe allein friedlichen Zwecken gedient. Dennoch schloss das Land 2015 ein Abkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland, in dem es zusagte, sein Programm so zu begrenzen, dass es nicht für den Bau von Atombomben genutzt werden kann. Im Gegenzug wurden Sanktionen aufgehoben. US-Präsident Donald Trump will in den kommenden Tagen entscheiden, ob er den Vertrag aufkündigen will. Netanjahu gilt schon seit Jahren als schärfster Gegner der Atomvereinbarung, die er als schweren Fehler ansieht.

"Das Atomabkommen basiert auf Lügen", sagte Netanjahu gestern. Das geheime Material, das das iranische Regime nach der Unterzeichnung des Vertrags versteckt habe, könne zum Bau von "fünf Hiroshima-Bomben" dienen: "Der Iran hat auf der höchsten Ebene geplant, den Bau nuklearer Waffen fortzusetzen." Die Informationen seien von den USA bestätigt worden.

Bereits zuvor hatten Raketenangriffe in Syrien die Sorge vor einem direkten Konflikt zwischen Israel und dem Iran geschürt. Bei den Attacken am Sonntagabend auf Militärziele in mehreren Teilen des Landes wurden der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge mindestens 26 Menschen getötet und 60 weitere verletzt. Staatsmedien äußerten die Vermutung, Israel stecke hinter den Angriffen und habe iranische Stellungen bombardieren wollen. Israels Geheimdienstminister Israel Katz forderte: "Der Iran muss sich aus Syrien zurückziehen." Israel werde dem Aufbau einer iranischen Front in Syrien nicht zustimmen.

Die meisten Todesopfer gab es demnach bei dem Angriff auf das Hauptquartier der 47. Brigade westlich der Stadt Hama im Zentrum des Landes. Dort sind auch mit Syrien verbündete iranische Truppen stationiert. Die meisten der Opfer seien Iraner, hieß es von den Menschenrechtlern. Der Iran dementierte dagegen, dass iranische Soldaten getötet worden seien. Teheran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al Assad.

(RP)