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Iraks Kurden wollen eigenen Staat

Sie sind für das Referendum: Junge Kurden demonstrieren in Erbil.
Sie sind für das Referendum: Junge Kurden demonstrieren in Erbil. FOTO: dpa
Erbil. Bajan Salih kann den Tag, der das Leben der Kurden verändern soll, kaum erwarten. Die Hausfrau und Millionen andere Wähler stimmen am nächsten Montag in einem Referendum darüber ab, ob die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak ihre Unabhängigkeit ausrufen sollen. dpa/sm

Für die 51-Jährige steht die Antwort fest: "Wir wollen das Leben in Demütigung und Abhängigkeit beenden", sagt Salih. "Wie jedes Volk auf der Welt wollen wir Herr im eigenen Haus sein."

Damit dürfte sie der Mehrheit der Kurden im Nordirak aus der Seele sprechen, die schon seit Jahrzehnten von einem eigenen kurdischen Staat träumen. Kurden-Präsident Massud Barsani nutzte die vergangenen Monate, um das Vorhaben voranzutreiben.

Mit dem zu erwartenden militärischen Sieg der irakischen Regierungskräfte gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sieht er die Zeit endlich gekommen. Das für den 25. September geplante Referendum soll ein Meilenstein sein auf dem Weg zur kurdischen Unabhängigkeit. Doch so groß der Traum der Kurden vom eigenen Staat ist, so massiv fällt auch der Widerstand gegen die Abspaltung vom Rest des Irak aus. Derzeit vergeht kein Tag, an dem die Kurden nicht gedrängt werden, das Referendum abzusetzen. Am Montag ordnete das höchste Bundesgericht des Landes auf Antrag der Regierung in Bagdad einen Stopp des Referendums an. Die Abstimmung verstoße gegen die irakische Verfassung, wetterte Ministerpräsident Haidar al-Abadi. Die Angst vor einem Zerfall des gesamten Irak spielt dabei eine zentrale Rolle. Vizepräsident Nuri al-Maliki kündigte an, ein "zweites Israel" nicht dulden zu wollen.

Einer der wichtigsten Anführer der mächtigen schiitischen Milizen, Hadi al-Amiri, warnte sogar vor einem Bürgerkrieg zwischen irakischen Arabern und Kurden. Die Türkei hält das Referendum ebenfalls für einen "falschen Schritt", der seinen Preis haben werde, wie Ankara drohte.

Der andere große Nachbar der Kurden, der Iran, gehört zu den schärfsten Gegnern einer Abspaltung vom Irak, weil er wie die Türkei Auswirkungen auf die kurdische Minderheit im eigenen Land befürchtet.