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Irakische Armee kämpft weiter gegen IS nahe Mossul

Bagdad. Einen Tag nach der offiziellen Befreiung von Mossul rückten irakische Sicherheitskräfte im Umland der Stadt weiter gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor. Mit Luftunterstützung der von den USA geführten Koalition seien IS-Gebiete in der südlich von Mossul gelegenen Stadt Al-Schirkat belagert worden, hieß es am Dienstag aus irakischen Sicherheitskreisen. dpa/roe

Die Dschihadisten hatten die Gebiete erst in der vergangenen Woche eingenommen. Al-Schirkat gehört zu einer der wenigen Gegenden im Irak, in denen die Dschihadisten noch aktiv sind.

Der IS, der große Gebiete im Nordirak im Juni 2014 überrannt und eingenommen hatte, wurde von irakischen Sicherheitskräften zuletzt mehr und mehr zurückgedrängt. Am Montag erklärte Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi die bisherige IS-Hochburg Mossul für befreit. Nur noch vereinzelte IS-Kämpfer sollen sich in der Stadt aufhalten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow bemängelte nach der Vertreibung des IS die Situation der Zivilisten in der Stadt. "Bislang ist nichts zur organisierten Rettung der Zivilisten geregelt. Alles war chaotisch und spontan", sagte der Chefdiplomat. Die Zahl der Toten könne noch immer steigen. "Wir sind aber natürlich froh darüber, dass der IS besiegt wurde", sagte er der Agentur Tass zufolge. Mehr als 900 000 Menschen waren nach UN-Angaben vor der Gewalt und den Kämpfen aus der Stadt geflohen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte in einem Bericht einen übermäßigen und rücksichtslosen Einsatz von Gewalt seitens der Konfliktparteien im Kampf um Mossul. Von Jahresbeginn bis Mitte Mai sollen mindestens 426 Zivilisten getötet worden sein. Es sei ein Horror gewesen, den die Menschen von Mossul mit ansehen mussten, sagte Lynn Maalouf, die stellvertretende Direktorin von Amnesty für den Nahen Osten. Zivilisten seien zum Teil vom IS in den Häusern eingesperrt, die Türen mit Sprengfallen versehen worden, um die Bewohner als menschliche Schutzschilde zu benutzen. Aber auch den irakischen Kräften und der von den USA geführten Koalition warf Amnesty ein rücksichtsloses Vorgehen vor.