Weltweit streiken am Freitag Menschen für Klimaschutz. Zeitgleich will die Koalition in Berlin ihr Klimapaket verabschieden.Die RUNDSCHAU sprach mit Umweltökonom Reimund Schwarze von der Frankfurter Universität Viadrina.

Herr Professor Schwarze, verraten Sie, was Sie am Freitag vorhaben?

Schwarze Ich muss einen Antrag für ein Projekt der Universität Viadrina schreiben, bei dem es auch um Kohlendioxid-Preise geht. Es tut mir leid, dass ich bei Fridays for Future nicht dabei sein kann. Aber ich befürworte die Streikaktion.

Wie bewerten Sie Fridays for Future?

Schwarze Ich hatte die Wirkung dieser Bewegung anfangs nicht so hoch eingeschätzt. Aber sie hat große Auswirkungen auf Akteure in der internationalen Klimapolitik. Sie verbessert die Aussichten, beim Klimaschutz voranzukommen.

Im Klimaschutzpaket der Koalition geht es auch um einen Preis für das CO2, das beim Heizen und im Verkehr ausgestoßen wird. Wie wichtig ist dieser Preis?

Schwarze Ohne CO2-Preis ändert sich nichts in der Wirtschaft. Viele Unternehmen kalkulieren seit Jahren intern mit CO2-Preisen, weil sie sonst nichts umsetzen könnten, was zukunftsträchtig wäre. Auch bei Bankgeschäften wird das mit eingepreist. Es gibt in dieser Hinsicht nichts, was wirksamer ist als ein CO2-Preis. Aber die Schwankungsbreite dessen, womit die Unternehmen jetzt kalkulieren, ist sehr groß. Damit wir zu einem verlässlichen Steuerinstrument kommen, muss es ein Signal aus der Politik geben für einen einheitlichen Preis in Deutschland.

Sollte der Staat oder der Markt den Preis machen? Sind Sie für eine Steuer oder Handel mit Verschmutzungsrechten, mit Zertifikaten?

Schwarze Da halte ich es mal mit dem chinesischen Politiker Deng Xiaoping: „Ob die Katze schwarz oder weiß ist, ist nicht entscheidend. Sie muss nur Mäuse fressen.“ Wir brauchen einen möglichst einheitlichen Preis, der dann wirklich umgesetzt wird. Das können beide Instrumente bewirken. Vor die Wahl gestellt, würde ich aber auch den Handel mit Zertifikaten vorziehen, weil er besser mit den internationalen Marktmechanismen zusammenpasst. Es wird keine international einheitliche Steuer geben, aber es gibt eines Tages einen weltweiten Zertifikate-Handel. Entscheidend ist das Niveau dieses Preises. Müssen die Unternehmen 2020 mit 40 bis 80 US-Dollar rechnen oder mit sechs bis acht Dollar?

Viele Menschen sorgen sich, dass ihre Lebenshaltungskosten steigen.

Schwarze Was durch einen CO2-Preis eingenommen wird, sollte an die Bürger zurückverteilt werden. Zum größten Teil oder besser – alles. Die am stärksten daran zu tragen haben, sollten am meisten zurückbekommen. Das geht am leichtesten über eine Rückerstattung im Rahmen der Krankenversicherungsbeiträge. Für die, die nicht krankenversichert sind, finden sich geeignete Wege. Aber 90 Prozent der Gelder könnten über die Sozialversicherungsbeiträge zurückfließen – effektiv, wenig Bürokratie und bewährt. Das wäre auch noch mal ein Anreiz, mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Mit Reimund Schwarze
sprach Ina Matthes