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| 18:12 Uhr

Die Preise entwickeln sich weiter nach oben
Immobilienboom füllt Staatskassen

Boomstadt Berlin – in der deutschen Hauptstadt haben sich die Preise für Wohnungen im vergangenen Jahr um durchschnittlich 15,6 Prozent erhöht. Ein Ende der Preisspirale scheint nicht in Sicht.
Boomstadt Berlin – in der deutschen Hauptstadt haben sich die Preise für Wohnungen im vergangenen Jahr um durchschnittlich 15,6 Prozent erhöht. Ein Ende der Preisspirale scheint nicht in Sicht. FOTO: ZB / Wolfgang Kumm
Berlin. Der deutsche Fiskus macht jährlich Milliardengewinne durch Vermietung und Grunderwerbsteuern. Von Stefan Vetter

Mit eher halbherzigen Maßnahmen wie der Mietpreisbremse oder dem Baukindergeld versucht der Staat die Preisexplosion auf dem Immobilienmarkt zu lindern. Gleichzeitig verdient er an dem Boom selbst kräftig mit.

Die Preisentwicklung für Immobilien und Grundstücke kennt in vielen Teilen Deutschlands nur eine Richtung: steil nach oben. Besonders in den Ballungsgebieten herrscht Goldgräberstimmung. Allein in der Bundeshauptstadt Berlin haben sich Wohnungen im vergangenen Jahr um durchschnittlich 15,6 Prozent verteuert. Auch die Mieten explodieren. Der Deutsche Mieterbund erwartet für 2018 einen durchschnittlichen Zuwachs um fünf Prozent, in Großstädten gar um das Doppelte. Neben Wohnungsbesitzern und Immobilienspekulanten gibt es allerdings noch einen weiteren großen Profiteur dieser Entwicklung: Der Fiskus kann sich ebenfalls über satte Mehreinnahmen freuen.

„Bund und Länder verdienen zweifellos viel Geld durch die Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt. Denn die Steuereinnahmen steigen kräftig“, erläuterte der Konjunkturexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claus Michelsen, im Gespräch mit der RUNDSCHAU. So habe sich allein das Aufkommen der Grunderwerbsteuer in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. 2017 lagen die Einnahmen für den Staat hier bei gut 13 Milliarden Euro. Elf Jahre zuvor waren es noch 6,1 Milliarden Euro.

Dabei resultiert dieser Zuwachs längst nicht nur aus einer deutlichen Zunahme der Transaktionen auf dem Immobilienmarkt. Seit 2006 können die Länder die Höhe der Grunderwerbsteuer in Eigenregie festlegen. Fielen vordem bundeseinheitlich 3,5 Prozent auf den Kauf von bebauten oder unbebauten Grundstücken an, so verlangt beispielsweise Berlin mittlerweile schon sechs Prozent. In Thüringen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Brandenburg sind es sogar 6,5 Prozent. Nur Bayern und Sachsen halten noch am ursprünglichen Prozentsatz fest.

„Der Staat ist auch Unternehmer. Das heißt, wenn er eigene Liegenschaften verkauft, dann nimmt er bei der aktuellen Preisexplosion ebenfalls mehr Geld ein“, erläuterte Michelsen. „Und wenn er Wohnraum über eigene Wohnungsunternehmen vermietet, profitiert er ebenfalls von steigenden Erträgen.“ Überhaupt verdient der Fiskus an jeder Mietsteigerung mit. Schließlich zahlen die privaten Vermieter darauf Einkommensteuer. Allein im Jahr 2014 betrugen ihre Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung 26,5 Milliarden Euro – gut drei Milliarden mehr als noch im Jahr zuvor.

Auch aus dem Bauboom selbst zieht der Staat Gewinne. Nach den aktuell verfügbaren Daten summierte sich die festgesetzte Körperschaftsteuer des Baugewerbes für das Jahr 2010 auf knapp sechs Milliarden Euro. Drei Jahre später waren es bereits gut sieben Milliarden Euro.

Sämtliche Steuerquellen, die mit dem Immobilienmarkt zu tun haben, werden nach Einschätzung von Michelsen auch munter weitersprudeln. Solange die Zinsen so niedrig seien und viele Menschen eine Immobilie als Kapitalanlage betrachteten, würden die Preise weiter nach oben getrieben, meinte Michelsen. „Besser als ein Baukindergeld, das häufig nur Mitnahmeeffekte auslöst, wäre deshalb zum Beispiel eine Absenkung der Grunderwerbsteuer“, so der Experte.