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Zentralrat der Juden besorgt
Immer wieder antisemitische Vorfälle an deutschen Schulen

Jüdische Kinder (Symbolbild).
Jüdische Kinder (Symbolbild). FOTO: dpa
Exklusiv | Berlin. An Schulen in Deutschland mehren sich Fälle von Antisemitismus. Jüngst soll in Berlin an einer Grundschule ein jüdisches Mädchen bedroht worden sein. Der Zentralrat der Juden ist alarmiert.

Nach Berichten über antisemitische Vorfälle und religiöses Mobbing an Schulen hat sich der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, besorgt gezeigt. Er habe das Gefühl, dass solche Vorfälle vor allem im großstädtischen Milieu zunähmen, sagte Schuster am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Berlin nehme dabei offensichtlich "leider eine führende Rolle" ein.

Er unterstütze den Vorschlag, eine bundesweite Statistik für Vorfälle dieser Art einzurichten, sagte Schuster weiter. Sein Wunsch sei, dass ein Angebot geschaffen werde, "in dem ohne große bürokratische Hürden antisemitische oder auch entsprechend andere Gewaltvorgänge gemeldet werden können, um so ein besseres und klareres Bild zu bekommen". Zuvor hatte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ein "Bundeslagebild zur Gewalt an Schulen" gefordert.

Anlass für die Debatte ist der Fall an einer Berliner Grundschule, wo ein jüdisches Mädchen bedroht worden sein soll. Es sei "ein furchtbarer und besorgniserregender Vorfall, der hoffentlich nur ein Einzelfall ist und bleibt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) dem "Tagesspiegel" von Dienstag. Müller mahnte zugleich, alle müssten "genau hingucken und hinhören". Es sei die "Sensibilität jedes einzelnen von uns" gefordert.

Zwölf registrierte Vorfälle in Berlin

Nach Angaben der Antidiskriminierungsbeauftragten für die Berliner Schulen, Saraya Gomis, gab es im vergangenen Jahr an Schulen in der Hauptstadt zwölf registrierte antisemitische Vorfälle. Studien würden jedoch zeigen, dass sich nur rund zwei Prozent der Betroffenen melden würden, sagte Gomis der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Neues Deutschland".

Zentralratspräsident Schuster sieht vor allem eine Verantwortung der Eltern. Kein Kind werde mit rassistischen Vorurteilen geboren, sagte er im ZDF. Zudem müssten Lehrer besser auf solche Situationen vorbereitet werden. Er werde ein Gespräch mit der Kultusministerkonferenz (KMK) Mitte April nutzen, um dieses Thema anzusprechen.

Auch der SPD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, sieht den Judenhass muslimischer Eltern als wichtigen Grund für Antisemitismus von Schülern. "Es ist oftmals tief sitzender Hass, der vom Elternhaus vermittelt wird", sagte Saleh der "Welt". "Viele plappern auch in Unkenntnis irgendwelche Parolen nach." Der im Westjordanland geborene Sozialdemokrat forderte: "Migrantenkinder müssen verstehen, dass die deutsche Geschichte auch ihre ist. Deswegen müssen sie besonders sensibel beim Thema Antisemitismus sein."

Untersuchung der Vorfälle gefordert

Der amtierende KMK-Präsident, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), forderte eine Analyse der antisemitischen Vorfälle an Schulen. "Die Vorfälle sind erschütternd und wir sind alle aufgefordert, uns damit auseianderzusetzen", sagte Holter der "Bild"-Zeitung. "Wir müssen schulische und gesellschaftliche Ursachen analysieren."

Die große Koalition hat sich in darauf verständigt, einen Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus einzusetzen. Der Posten soll im Innenministerium angesiedelt werden, wann und mit wem das Amt besetzt wird, ist allerdings noch unklar.

(oko)