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| 08:45 Uhr

Jerusalem
Im Auge des Zorns

Jerusalem. Israel zelebriert die Eröffnung der US-Botschaft mit einer Feier, Fahnen und Postern in Jerusalem. In den Palästinensergebieten entlädt sich währenddessen der angestaute Frust. Sara Lemel und Stefanie Järkel

Israel zelebriert die Eröffnung der US-Botschaft mit einer Feier, Flaggen und Postern in Jerusalem. In den Palästinensergebieten entlädt sich währenddessen der angestaute Frust.

Riesenposter für US-Präsident Donald Trump hängen an einem Gebäude in der Nähe der neuen US-Botschaft in Jerusalem. "Trump ist ein Freund Zions" und "Trump, mach Israel groß" steht darauf. Auf einer US-Flagge leuchtet der Davidstern. In den Straßen wehen Flaggen beider Länder in Blau, Weiß und Rot. Jerusalem hat sich für den großen Tag hübsch gemacht. Die israelische Dankbarkeit für die US-Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt kennt keine Grenzen - ebenso wie für die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv in die Heilige Stadt. Immerhin wird Israel an diesem Tag auch noch 70 Jahre alt. Doch die Wut bei den Palästinensern ist mindestens genauso groß.

Die radikalislamische Hamas im Gazastreifen hatte für gestern zu einem Massenprotest mit einer Million Menschen aufgerufen - und zum Sturm auf die Grenze zu Israel. Schon Stunden vor der Eröffnung gibt es die ersten Toten. Bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten sind seit Ende März Dutzende Palästinenser erschossen worden, Tausende wurden verletzt. Auch in Ramallah im Westjordanland nehmen Tausende Menschen an einem Protestmarsch teil. Die Palästinenser gedenken der Vertreibung und der Flucht Hunderttausender nach der Staatsgründung Israels 1948.

Israel hat den Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg 1967 erobert. Den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen eigenen Staat Palästina lehnt Israel ab. Doch die internationale Gemeinschaft pocht darauf, dass der künftige Grenzverlauf in Verhandlungen beider Seiten geklärt wird. Dies hat auch Trump gesagt.

Zur Botschaftseröffnung im Viertel Arnona gelten besonders scharfe Sicherheitsvorkehrungen, allein 1000 Polizisten sind in der Nachbarschaft positioniert. Verschiedene Spezialeinheiten, Grenzpolizisten und verdeckte Einheiten arbeiten mit der amerikanischen Security zusammen. "Wir haben die Dinge gegenwärtig sehr gut unter Kontrolle", sagt Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Es handele sich jedoch zweifellos um "eine der intensivsten Wochen" der letzten Zeit.

Daniel Jonas wohnt nur wenige Gehminuten von der neuen Botschaft entfernt. "Es sind sehr intensive Sicherheitsvorkehrungen, plötzlich stoppt die Polizei Leute, die auf der Straße fahren", sagt der 36-Jährige. "Es sind viele Menschen unterwegs, viele Journalisten, Leute versuchen, alle möglichen Informationen zu verkaufen, wie über die Architektur des Gebäudes." Die Straßen um die Botschaft seien abgesperrt.

Zu der Eröffnungszeremonie der Botschaft am Nachmittag wurden 800 Gäste erwartet. Nach einem Bericht des israelischen Fernsehens hat der US-Gesandte und Schwiegersohn Trumps, Jared Kushner, Netanjahu gesagt, Trump verfolge immer noch seinen Friedensplan.

Der US-Präsident hatte mehrfach den "ultimativen Deal" im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern angekündigt. Mit der Eröffnung der Botschaft in Jerusalem erfüllt er ein Wahlkampfversprechen. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman hatte vor rund einer Woche davon gesprochen, dass Israel einen Preis für die Verlegung der Botschaft werde zahlen müssen. "Und der ist es wert", sagte er nach Medienberichten: "Es gibt kein Gratis-Mittagessen."