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| 02:39 Uhr

Hunderte Domspatzen misshandelt

Erfuhr die Gewalt am eigenen Leib: Alexander Probst, Vertreter der Missbrauchsopfer.
Erfuhr die Gewalt am eigenen Leib: Alexander Probst, Vertreter der Missbrauchsopfer. FOTO: dpa
Regensburg. Der Missbrauchskandal bei den Regensburger Domspatzen hat größere Ausmaße als bisher bekannt: Mindestens 547 Sänger des weltberühmten Chores wurden Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Der am Dienstag in Regensburg vorgelegte Abschlussbericht gibt dem früheren Domkapellmeister Georg Ratzinger, dem Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. dpa/sm

, eine Mitschuld. Kritik gab es auch am früheren Regensburger Bischof und heutigen Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen, sagte der mit der Aufklärung beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber. Betroffene hätten ihre Schulzeit als "Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager" bezeichnet. Die körperliche Gewalt sei alltäglich und brutal gewesen.

Viele Opfer schilderten die Jahre als "schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit". Zwischen 1945 und Anfang der 1990er-Jahre wurden dem Bericht zufolge etwa 500 Betroffene Opfer körperlicher Gewalt, die auch in der damaligen Zeit mit wenigen Ausnahmen verboten und strafbar war. In 67 Fällen kam es zu sexueller Gewalt. Die Dunkelziffer liege aber wohl höher. Die Fälle sind verjährt und somit strafrechtlich nicht mehr relevant.

Von den 49 Beschuldigten übten 45 körperliche und neun sexuelle Gewalt aus. Verstöße gegen einen strengen und teilweise willkürlich ausgelegten Regelkatalog seien stets der Anlass für die Gewalt gewesen, sagte Weber. Verantwortlich seien in vielen Fällen der Direktor der Vorschule und sein Präfekt gewesen.

Dem damaligen Chorleiter Ratzinger seien "sein Wegschauen, fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis vorzuwerfen". Der heutige Kardinal Müller hatte als Regensburger Bischof bei Bekanntwerden des Skandals 2010 eine Aufarbeitung in die Wege geleitet. Diese Aufarbeitung sei aber mit vielen Schwächen behaftet gewesen, etwa weil man nicht den Dialog mit den Opfern gesucht habe, heißt es im Bericht.

Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs bat die Opfer um Entschuldigung.