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| 19:27 Uhr

Pflegeld
Höherer Pflegebeitrag lässt Rentenbeitrag steigen

Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden 2019 wohl unverändert 18,6 Prozent vom Bruttolohn an die Rentenversicherung abführen müssen.
Die Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden 2019 wohl unverändert 18,6 Prozent vom Bruttolohn an die Rentenversicherung abführen müssen. FOTO: dpa / Tobias Hase
Berlin. Warum Sozialabgaben das Rentenniveau beeinflussen.

Die geplante Anhebung des Pflegebeitrags lässt auf längere Sicht auch höhere Rentenbeiträge erwarten. Grund für diesen eher kurios anmutenden Zusammenhang ist die gleichzeitig versprochene Beibehaltung des Rentenniveaus bis zum Jahr 2025.

Am morgigen Mittwoch will das Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur bereits angekündigten Erhöhung des Pflegebeitrags um 0,5 Prozentpunkte verabschieden. Zwei Tage später beschäftigt sich der Bundestag erstmals mit dem Vorhaben der Bundesregierung, das Rentenniveau bis einschließlich 2025 bei mindestens 48 Prozent und den Rentenbeitrag bei höchstens 20 Prozent festzuschreiben („doppelte Haltelinie“). Derzeit liegt das Rentenniveau leicht über 48 Prozent und der Beitrag bei 18,6 Prozent.

Über das Rentenniveau wird immer wieder im Zusammenhang mit dem Thema Altersarmut diskutiert. Aber es handelt sich nur um eine statistische Größe. Dabei wird die Rentenhöhe eines Versicherten mit 45 Beitragsjahren und stets durchschnittlichem Verdienst ins Verhältnis zum jeweils aktuellen Durchschnittseinkommen der Beschäftigten gesetzt.

Die individuelle Rentenhöhe kann allerdings je nach Verdienst über ein gesamtes Arbeitsleben hinweg erheblich höher oder niedriger ausfallen.

Aus dem Gesetzentwurf des Gesundheitsministeriums geht nun hervor, dass ein höherer Pflegebeitrag rein rechnerisch das Sicherungsniveau bei der Rente dämpft. Um dieses Niveau bei 48 Prozent zu halten, „müssen die künftigen Rentenanpassungen höher ausfallen“, heißt es in der Vorlage. Und weiter: „Dies zieht wiederum höhere Beitragssätze und damit auch höhere Belastungen des Bundeshaushalts nach sich.“

So wird erwartet, dass der Rentenbeitrag im Jahr 2023 bei 19,6 Prozent liegen muss. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als nach geltendem Recht. Und weil eine Beitragserhöhung automatisch einen höheren Bundeszuschuss nach sich zieht, wird auch der Steuerzahler stärker zur Kasse gebeten. Für das Jahr 2023 rechnet das Gesundheitsministerium mit einer zusätzlichen Finanzspritze für die Rentenkasse in Höhe von 0,7 Milliarden Euro. Zwei Jahre später sind es bereits 1,6 Milliarden Euro mehr.

Auch die Deutsche Rentenversicherung verwies auf Nachfrage der RUNDSCHAU darauf, dass ein steigender Pflegebeitrag das Rentenniveau reduziert. Denn während bei den Beschäftigten die Arbeitgeber den Pflegebeitrag von derzeit 2,55 Prozent zur Hälfte mitfinanzieren, müssen ihn die Rentner allein zahlen. Daher werden ihre Netto-Altersbezüge etwas stärker belastet als die Netto-Löhne der Beschäftigten, was rein rechnerisch zu einer Senkung des Rentenniveaus führt – und vor dem Hintergrund der politischen Debatten zu einer „Verschärfung“ der Altersarmut. Um das Rentenniveau trotzdem stabil zu halten, müssen die Renten entsprechend stärker steigen und damit auch die Rentenbeiträge samt Bundeszuschuss.

Das gleiche Prinzip gilt übrigens auch bei der geplanten Absenkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung von drei auf 2,5 Prozent. Da Rentner diesen Beitrag gar nicht zahlen, sinkt auch hier rein rechnerisch das Rentenniveau, was sich nur durch eine stärkere Anhebung der Altersbezüge wettmachen lässt. Dabei werden die Beitragszahler auch für andere Maßnahmen wie etwa die verbesserten Mütter- und Erwerbsminderungsrenten zur Kasse gebeten. Ohne dieses Rentenpaket könnte der Rentenbeitrag im kommenden Jahr um 0,3 Prozentpunkte sinken. So aber werden die Arbeitnehmer und Arbeitgeber 2019 unverändert 18,6 Prozent vom Bruttolohn an die Rentenversicherung abführen müssen.