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| 23:12 Uhr

Hochrechnungen zur Landtagswahl 2018
So haben die Bayern gewählt

FOTO: dpa-infografik / dpa-infografik GmbH
München. Die CSU stürzt ab, die SPD halbiert ihr Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2013. Die Grünen erzielen ihr bestes Ergebnis. Die AfD zieht erstmals in den Landtag ein und wird fast so stark wie die Freien Wähler. Mit Letzteren könnte die CSU weiterregieren. Von Christian Andresen und Ulrich Steinkohl

Verheerendes Wahldebakel für CSU und SPD: Die Bayern haben bei der Landtagswahl beiden alten Volksparteien zweistellige Verluste zugefügt und die politische Landschaft umgekrempelt. Die jahrzehntelang dominierende CSU von Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder verliert ihre absolute Mehrheit und braucht nun einen Koalitionspartner. Die SPD mit Spitzenkandidatin Natascha Kohnen verzeichnet ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl und wird nur noch fünftstärkste Kraft. Die Grünen dagegen erzielen einen Bayern-Rekord. Die AfD zieht zweistellig ins Maximilianeum ein und ist jetzt in 15 von 16 Landtagen vertreten. Die FDP erlebt eine Zitterpartie um die Rückkehr ins Parlament nach fünf Jahren Abwesenheit. Die Linke verfehlt die Fünf-Prozent-Hürde erneut.

Damit sind SPD und CSU als Regierungspartner von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geschwächt. Schon am Wahlabend zeichneten sich neue Reibereien in der ohnehin kriselnden Koalition ab. Vor der Landtagswahl in zwei Wochen in Hessen vermieden aber zunächst alle Seiten offene Personaldiskussionen und gegenseitige Attacken.

Die Wahlergebnisse nach Hochrechnungen von ARD und ZDF

Nach den Hochrechnungen von ARD (22.30) und ZDF (22.45) kommt die CSU mit einem Minus von gut 10 Prozentpunkten nur noch auf 37,4 Prozent - ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950. Die SPD halbiert mit Verlusten von rund 11 Punkten ihr Ergebnis von 2013 und landet bei 9,3 bis 9,6 Prozent.

Zweitstärkste Kraft werden die Grünen mit 17,7 bis 17,8 Prozent - mehr als eine Verdoppelung gegenüber 2013. Es folgen die Freien Wähler mit 11,4 bis 11,8 Prozent, dicht dahinter die AfD mit 10,3 Prozent. Die FDP stand auch am späten Abend mit 5,0 Prozent noch auf der Kippe. Die Linke scheitert mit 3,1 bis 3,2 Prozent.

Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung: CSU 78 bis 84, SPD 20 bis 21, Grüne 37 bis 38, Freie Wähler 24 bis 25, AfD 22 und FDP 10 bis 11. Die unterschiedlichen Sitzzahlen von ARD und ZDF sind auf das komplizierte bayerische Wahlrecht zurückzuführen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 72 Prozent (2013: 63,6).

Grüne bereit zu Koalitionsgesprächen

Seit 1962 hatte die CSU Bayern mit Ausnahme der Wahlperiode 2008 bis 2013 allein regiert. Eine komfortable Mehrheit hätte jetzt eine schwarz-grüne Koalition. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze zeigte sich gesprächswillig: „Natürlich sind wir bereit, Verantwortung für dieses schöne Land zu übernehmen.“ Söder war jedoch skeptisch: „Inhaltlich sind die Grünen meilenweit entfernt.“ Er werde mit allen außer der AfD reden und strebe ein bürgerliches Bündnis an.

Nach den Hochrechnungen hätte eine Koalition mit den Freien Wählern eine Mehrheit. Deren Chef Hubert Aiwanger sagte am Abend, seine Partei werde machbare Vorschläge vorlegen. Eine Dreierkoalition zusammen mit der FDP von Spitzenkandidat Martin Hagen hätte eine satte Mehrheit - wenn denn die FDP in den Landtag einzieht. Auch ein schwarz-rotes Bündnis wäre knapp möglich.

Wahlanalyse: CSU-Probleme hausgemacht

Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen sind die Gründe für den Absturz der CSU „primär hausgemacht“. Diese zeige bei Regierungsbilanz, Parteiansehen und Sachkompetenzen Defizite und habe ein erhebliches Personalproblem: Ministerpräsident Söder werde schwach bewertet, Parteichef Horst Seehofer massiv kritisiert.

Einer ARD-Analyse zufolge verlor die CSU jeweils 180.000 Wähler an Grüne und AfD sowie 170.000 an die Freien Wähler. Diesen Verlust dämpfte der Hinzugewinn von 200.000 bisherigen Nichtwählern.

Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CSU mit 47,7 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit geholt. Dahinter landete die SPD mit 20,6 Prozent, gefolgt von Freien Wähler mit 9,0 und Grünen mit 8,6 Prozent. FDP und Linke scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Söder hatte das Amt des Ministerpräsidenten im März 2018 von Seehofer übernommen. Vorausgegangen war ein interner Machtkampf, der sich nach dem schlechten Abschneiden der CSU (38,8 Prozent) bei der Bundestagswahl 2017 verschärfte. Seehofer behielt aber den CSU-Vorsitz und wechselte als Innenminister ins Kabinett Merkel.