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| 13:24 Uhr

Hintergründe
Geiselnahme in Köln: Was wir wissen - und was nicht

Köln. Die Ermittlungen zu der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof gehen weiter. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Tat einen terroristischen Hintergrund hatte.

WAS WIR WISSEN

Die Tat: Am Montagmittag zündete ein Mann in einem Schnellrestaurant im Kölner Hauptbahnhof einen Molotow-Cocktail. Danach nahm er in einer gegenüberliegenden Apotheke eine Angestellte als Geisel und übergoss sie mit Benzin. Als daraufhin ein Spezialeinsatzkommando eingriff, versuchte er nach Angaben der Polizei, die Frau anzuzünden. Daraufhin feuerte die Polizei auf ihn. Durch die Schüsse wurde er so schwer verletzt, dass er reanimiert werden musste.

Die Opfer: Eine 14-Jährige erlitt durch den Molotow-Cocktail erhebliche Brandverletzungen, ihr Schuh fing Feuer. Außerdem erlitt sie einen Schock, ebenso wie die Apothekenangestellte. Eine andere Frau aus der McDonald's-Filiale im Bahnhof wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung behandelt. Die Polizei geht davon aus, dass die drei Frauen zufällig zu Opfern des Täters wurden.

Der Täter: Am Tatort fand die Polizei Papiere eines 55 Jahre alten Syrers mit offiziellem Flüchtlingsstatus. Dieser Syrer hielt sich seit 2015 in Deutschland auf und war mehrfach straffällig geworden. Ihm wurden Diebstahl, Betrug und Körperverletzung zur Last gelegt. Er wohnte im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld. Die Polizei geht „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass die Papiere zu dem Täter gehören, gesichert ist dies nicht. Nach Zeugenaussagen war der Mann alkoholisiert.

Die Ermittlungen: Ermittelt wird wegen versuchten Mordes, Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung. Dabei prüft die Polizei einen terroristischen Hintergrund der Tat.

WAS WIR NICHT WISSEN

Die Tat: Es ist bisher nicht bekannt, was der Täter plante. Er hatte Brandbeschleuniger und Gaskartuschen bei sich. Außerdem hatte er eine Tasche, in der sich weitere verdächtige Materialien befanden. Diese Tasche ließ er in der McDonald's-Filiale zurück, forderte sie aber später in seinen Gesprächen mit der Polizei zurück. In die Apotheke lief er offenbar nur deshalb, weil der Rauch des Molotow-Cocktails in dem Schnellrestaurant die Sprinkleranlage auslöste.

Der Täter: Der Täter soll sich nach Aussage eines Passanten im Hauptbahnhof zur Terrorgruppe „Daesh“ bekannt haben. „Daesh“ ist der arabische Name für die Terrormiliz Islamischer Staat. Ob das stimmt und falls ja, wie stark die Verbindung des Täters zum IS ist, ist unklar. Der Mann selbst wird weiter auf der Intensivstation behandelt und kann auf absehbare Zeit nicht befragt werden.

Die Ermittlungen: Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Sie weiß aber mit Sicherheit mehr, als zurzeit öffentlich bekannt ist.

(dpa)