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Parlament
Nach 33 Jahren die ganz große Rede

Der FDP-Politiker Hermann Otto Solms hält die Eröffnungsrede im neuen Bundestag als Alterspräsident.
Der FDP-Politiker Hermann Otto Solms hält die Eröffnungsrede im neuen Bundestag als Alterspräsident. FOTO: Soeren Stache / dpa
Berlin. FDP-Mann Hermann Otto Solms wird den Bundestag eröffnen und Abgeordnete aller Parteien an ihre Verantwortung erinnern. dpa

Unverhofft kommt oft. Hermann Otto Solms konnte bis vor zwei Wochen mit allem Möglichen  rechnen. Nur nicht, dass er heute  als Alterspräsident die erste Sitzung der 19. Legislaturperiode eröffnen würde. Schon, weil er nicht der Älteste ist. Das ist Wilhelm von Gottberg von der AfD. Der ist 77 Jahre alt, Solms „nur“ 76.

Er konnte nicht einmal damit rechnen, als der Bundestag, um von Gottberg zu verhindern, noch kurz vor der Wahl regelte, dass künftig immer der Dienstälteste die erste Sitzung eröffnen soll.

Zwar hat Solms 33 Bundestagsjahre als FDP-Abgeordneter auf dem Buckel, doch auch hier schlägt ihn einer: Wolfgang Schäuble (CDU) mit 45 Parlamentsjahren. Aber dann entschied Kanzlerin Angela Merkel, dass Schäuble Bundestagspräsident werden soll, und weil der schlecht seine eigene Wahl leiten kann, wird Solms nun doch die erste Sitzung eröffnen.  Über sich die Augen der Weltöffentlichkeit und vor sich ein aufgeladenes, polarisiertes Parlament mit sechs Fraktionen.

Ganz rechts die AfD, daneben nach vier Jahren Abstinenz wieder seine geliebten Liberalen. Solms hat sich vorgenommen, seine ganze Erfahrung in diese erste Rede zu legen. Welche herausgehobene Rolle der Bundestag für die Demokratie hat, will er den Abgeordneten ins Stammbuch schreiben und sie „an ihre Rechte,  aber auch ihre Pflichten“ erinnern, wie er  gestern vorab sagte.

Er wird verlangen, dass die Debatten wieder offener und lebendiger werden, „denn die Auseinandersetzung über die dringenden Fragen der Zukunft unseres Landes und Europas muss wieder dahin, wo sie hingehört – in den Deutschen Bundestag“. Und er will mahnen, niemanden im Parlament auszugrenzen, „aber auch jeden für seine Aussagen verantwortlich zu machen“.

 Es wird ein würdiger Start werden.  Dabei war Solms eigentlich schon draußen. 2013 verzichtete er  auf eine erneute Bundestagskandidatur.

„Ich hatte mit meiner politischen Laufbahn abgeschlossen“, sagte er unlängst der RUNDSCHAU. Doch dann rief ihn Christian Lindner an, am Abend der Bundestagswahl vor vier Jahren, als die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war. Lindner, der damals in der Partei das Ruder übernahm, bat Solms, ihm als Schatzmeister zu helfen. Das war Solms 23 Jahre lang schon gewesen.

Der Hesse sagte zu, denn „dass wir als liberale Partei aus der Politik ausscheiden, das wollte ich nicht auf uns sitzen lassen“. Und weil er nun schon mal wieder dabei war, trat er im September auch wieder für den Bundestag an.

Es ist ein ruhmreiches Comeback für den Mann, der seinen Adelstitel, Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich, nie gebraucht hat, um angesehen zu sein. Am Freitag wählte ihn seine Fraktion auch noch zum Ehrenvorsitzenden, dem zweiten nach dem legendären Wolfgang Mischnick. Das Lebensmotto des stets fröhlich lächelnden Solms übrigens lautet: „Ich arbeite viel. Das hält jung.“