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| 09:45 Uhr

Berliner Republik
Hemdsärmeliges Auftreten wird bei Politikerinnen zu Unrecht immer noch kritisiert.

Wer als Kanzlerkandidat für seine Partei antreten möchte, braucht bei aller Volksnähe auch etwas Schliff. Das gilt für Kandidatinnen wie für Kandidaten. Als Parteichefin hat Andrea Nahles nun den Zugriff auf die Kanzlerkandidatur - so will es ein ungeschriebenes Gesetz der Sozialdemokraten. Wenn die erste Frau an der Spitze der SPD tatsächlich das Kanzleramt in den Blick nimmt, sollte sie das Singen von Kinderliedern im Bundestag und den Gebrauch von Kraftausdrücken künftig lieber unterlassen. Während sich ihr Look von der Lederjacken-Trägerin mit wilden Locken zum Hosenanzug-Outfit mit glattgeföhnten Haaren gewandelt hat, sind ihr Schimpfwort-Ausstoß und ihre Freude an Kinderreimen eher in den früheren Zeiten der Juso-Chefin hängengeblieben.

Wer als Kanzlerkandidat für seine Partei antreten möchte, braucht bei aller Volksnähe auch etwas Schliff. Das gilt für Kandidatinnen wie für Kandidaten. Als Parteichefin hat Andrea Nahles nun den Zugriff auf die Kanzlerkandidatur - so will es ein ungeschriebenes Gesetz der Sozialdemokraten. Wenn die erste Frau an der Spitze der SPD tatsächlich das Kanzleramt in den Blick nimmt, sollte sie das Singen von Kinderliedern im Bundestag und den Gebrauch von Kraftausdrücken künftig lieber unterlassen. Während sich ihr Look von der Lederjacken-Trägerin mit wilden Locken zum Hosenanzug-Outfit mit glattgeföhnten Haaren gewandelt hat, sind ihr Schimpfwort-Ausstoß und ihre Freude an Kinderreimen eher in den früheren Zeiten der Juso-Chefin hängengeblieben.

Ansonsten aber ist überhaupt nichts daran auszusetzen, dass Nahles kernig, laut und offensiv auftritt. Wer meint, dass sich Politikerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen hemdsärmelige Umgangsformen nicht leisten können, hat das mit der Gleichberechtigung noch nicht verstanden. Nahles dafür zu kritisieren, dass sie eine Reihe von Charakter-Eigenschaften hat, die bei Männern gelobt werden, ist völlig daneben. Soll sie doch. Politiker, die sich verbiegen und verstellen, sind uns in der Regel auch nicht recht. Um es noch einmal deutlich zu machen: An dieser Stelle geht es nur um die B-Note, also die Frage, welche Haltung sie neben ihrem Pflichtprogramm als Partei- und Fraktionschefin an den Tag legt. Es geht nicht um die Frage: Kann die das? Sondern um: Darf die das? Aber ja. Die Herren dürfen das ja auch. Und immerhin: Nahles kann sehr gut austeilen. Sie kann aber auch viel einstecken. Ohne Nehmerqualitäten hält man es an der Spitze der SPD ohnehin nicht aus - wie der Parteitag am Sonntag in Wiesbaden eindrücklich demonstriert hat.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)