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| 19:01 Uhr

Ohne Partner
Am meisten fehlt die Zeit für sich selbst

ILLUSTRATION - ARCHIV - 01.07.2016, Nordrhein-Westfalen, Dortmund: Eine Mutter sitzt mit ihrem Sohn auf dem Schoß auf einer Couch. Alleinerziehende in Mecklenburg-Vorpommern profitieren nicht von der anhaltend guten Lage am Arbeitsmarkt und den steigenden Löhnen. Foto: Marcel Kusch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ILLUSTRATION - ARCHIV - 01.07.2016, Nordrhein-Westfalen, Dortmund: Eine Mutter sitzt mit ihrem Sohn auf dem Schoß auf einer Couch. Alleinerziehende in Mecklenburg-Vorpommern profitieren nicht von der anhaltend guten Lage am Arbeitsmarkt und den steigenden Löhnen. Foto: Marcel Kusch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Marcel Kusch
Berlin . Hektik, Geldprobleme und ein schlechtes Gewissen: Wie Alleinerziehende ihren Alltag erleben. Von Michael Gabel

Hektik, Geldprobleme und ein schlechtes Gewissen – das sind die ständigen Begleiter im Leben mancher alleinerziehenden Mutter. Sandra Weller*, Betriebswirtin und Mutter zweier kleiner Kinder, sagt, vor allem morgens sei es immer sehr hektisch. „Ich muss die Kinder fertig machen. Dabei hat alles immer sehr schnell zu gehen, weil ich danach zur Arbeit muss“, sagt sie. Nachmittags geht sie von der Arbeit direkt zur Kita. „Dann mache ich Abendessen, spiele mit den Kindern, bringe sie ins Bett. Und wenn sie schlafen, ist der Haushalt dran.“ Wenn sie mit allem fertig ist, sei sie so erledigt, dass sie nur noch ins Bett fallen kann.

So wie Sandra Weller geht es vielen alleinerziehenden Müttern. Zwar gibt es – theoretisch – auch einen Vater. Aber die meiste Arbeit bleibt eben doch an der Frau hängen. „Bei uns ist es so, dass der Vater zwar Unterhalt zahlt, sich um die Kinder allerdings nur sehr unregelmäßig kümmert. Er sagt, das sei ihm zu anstrengend.“ Sandra Weller nennt ein Beispiel. „Wenn er mal ein Kind bei mir abholt, nimmt er immer nur eins mit, weil er sich mit beiden überfordert fühlt.“ Ihr Ex-Partner ist selbstständig und sagt, er habe keine Zeit. „Er nimmt sie sich aber auch nicht“, ärgert sich die Betriebswirtin.

Am meisten fehle ihr die Zeit für sich selbst, sagt sie. Aber auch das Finanzielle bereite ihr Sorgen. „Es ist schwierig, genügend Geld zu verdienen, weil ich nur Teilzeit arbeiten kann.“ Mit der Kita, sagt sie, sei sie sehr zufrieden. „Sie öffnet um 5.30 Uhr und schließt um 17.30 Uhr, was super ist.“ Dennoch habe sie oft ein schlechtes Gewissen, weil sie die Kinder so lange abgeben muss. „Neun Stunden sind einfach zu lang, und ich merke, dass ihnen das nicht guttut.“

Immerhin geht es Sandra Weller etwas besser als Klaus Jorgal*, dessen Kita bereits um 14 Uhr schließt. Er war früher Fahrdienstleiter im Wechseldienst. „Als ich mit meinen Kindern plötzlich allein dastand, musste ich meinen Beruf aufgeben.“ Er fing als Lagerist in Teilzeit an.

Oft sind es unvorhergesehene Dinge, die die größten Probleme bereiten. Die gelernte Bürokauffrau Frauke Schwan* sagt, sie komme mit ihrem Arbeitslosengeld II zwar aus. Aber wenn beispielsweise der Reißverschluss an der Winterjacke kaputtgehe, werde es eng. Oder wenn der Sohn neue Winterschuhe braucht.

Sandra Weller wünscht sich dagegen vor allem mehr Zeit und mehr Ruhe. „Eine Abendbetreuung für Kinder von Berufstätigen wäre super“, sagt sie. Und sie schlägt vor, dass Krankenkassen zum Beispiel Haushaltshilfen bezuschussen könnten. „Sie würden damit Burn­out und Depressionen vorbeugen.“

⇥*Namen geändert