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| 10:07 Uhr

"Kippa-Träger sind nicht allein"
Maas ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Liveblog | Berlin/Köln. In mehreren deutschen Städten wollen die Menschen gegen Antisemitismus auf die Straße gehen. Vor den Kundgebungen ruft Bundesaußenminister Heiko Maas dazu auf, die Opfer antisemitischer Übergriffe nicht alleine zu lassen. Der Zentralrat der Juden fordert Solidarität auch von den muslimischen Verbänden.

In mehreren deutschen Städten wollen die Menschen gegen Antisemitismus auf die Straße gehen. Vor den Kundgebungen ruft Bundesaußenminister Heiko Maas dazu auf, die Opfer antisemitischer Übergriffe nicht alleine zu lassen. Der Zentralrat der Juden fordert Solidarität auch von den muslimischen Verbänden.

"Wir dürfen niemals zulassen, dass Antisemitismus in Deutschland wieder alltäglich wird", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) dem "Tagesspiegel". "Wenn junge Männer bei uns bedroht werden, nur weil sie eine Kippa tragen, müssen wir deutlich machen: Sie sind nicht allein", sagte Maas. Jeder Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland richte sich "gegen uns alle". Grundsätzlich gelte, dass in Deutschland niemand wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe oder seiner Religion diskriminiert werden dürfe.

Justizministerin Katarina Barley (SPD) drohte antisemitisch motivierten Tätern mit der Härte des Rechtsstaats. "Wer Jüdinnen und Juden attackiert oder beschimpft, wer ihre Synagogen und Friedhöfe angreift und beschmiert, muss mit allen Mitteln unseres Rechtsstaates zur Verantwortung gezogen werden", erklärte Barley am Mittwoch in Berlin. "Jüdisches Leben ist Teil unserer Kultur. Ein Angriff darauf ist ein Angriff auf uns alle", fügte sie hinzu. Die Ministerin hob hervor, es sei Aufgabe der gesamten Gesellschaft, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen und jede Form des Antisemitismus zu bekämpfen.

Am Mittwoch wollen sich unter anderem in Berlin, Erfurt, Köln und Magdeburg Menschen bei Kundgebungen als Zeichen der Solidarität die traditionelle jüdische Kopfbedeckung Kippa aufsetzen. In Berlin heißt die Aktion "Berlin trägt Kippa", in Köln ziehen die Menschen unter dem Solidaritäts-Motto "Kippa Colonia" vor den Kölner Dom.

Die Kundgebungen sind eine Reaktion auf einen antisemitischen Übergriff aus der vorigen Woche, der für Entsetzen sorgte. Dabei wurden zwei Kippa tragende junge Männer in Berlin beleidigt, ein Opfer wurde mit einem Gürtel geschlagen.

Zentralrat fordert Solidarität gegen Judenhass

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hat ein breiteres Engagement gegen alle Formen von Antisemitismus in Deutschland gefordert. "Es darf keine Toleranz für Intoleranz geben", sagte Schuster der Deutschen Presse-Agentur. "Neben Politik und Gesellschaft sehe ich auch die Religionsgemeinschaften in der Verantwortung. Gerade die muslimischen Verbände sollten klar und unmissverständlich gegen den Antisemitismus in den eigenen Reihen vorgehen", forderte er.

Jedoch könne jeder Bürger etwas tun. "Jeder und jede kann Einspruch erheben gegen Judenhass - ob am Arbeitsplatz, in der U-Bahn, auf dem Fußballfeld oder im Freundes- und Familienkreis", sagte Schuster. Der Zentralrat fordere alle Menschen in Deutschland auf, sich solidarisch mit der jüdischen Gemeinschaft zu zeigen und einzuschreiten, wenn Juden beleidigt, verhöhnt oder gar angegriffen werden.

"Ich wünsche mir, dass viele Menschen Flagge bekennen und rufe sie dazu auf, eine Solidaritätskundgebung in ihrer Stadt zu besuchen", sagte Schuster. "Denn es ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft, sich gerade auch im Alltag gegen Antisemitismus zu engagieren."

Neue Formen des Antisemitismus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach dem Vorfall in Berlin neue Formen des Antisemitismus beklagt, der von Flüchtlingen oder Menschen arabischen Ursprungs nach Deutschland gebracht worden sei. Antisemitismus habe es aber auch schon zuvor in Deutschland gegeben.

Angefacht wurde die Debatte zudem von einer Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang. Die beiden wurden für ein als judenfeindlich kritisiertes Album mit dem Echo-Musikpreis geehrt, worauf etliche andere Künstler ankündigten, ihre Trophäen zurückzugeben.

(oko)